Sergei Rachmaninoff

Werke für Violine und Klavier Urtext

Partitur und Stimme, hg. von Daniela Maccione

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel
erschienen in: das Orchester 4/2026 , Seite 72

Der Komponist Sergei Rachmaninoff, der auch als virtuoser Pianist glänzte, ist in erster Linie als Schöpfer von Musik für und mit Klavier populär. Doch Rachmaninoffs Œuvre ist breiter gestreut: Neben Orchesterwerken, Opern, Liedern und geistlicher Chormusik schuf er auch einiges für kleinere instrumentale Besetzungen. Der vorliegende Band versammelt seine wenigen, doch reizvollen Werke für Violine und Klavier: die beiden 1893 publizierten Morceaux de Salon op. 6 sowie eine 1951 posthum veröffentlichte Romanze in a-Moll.
Die italienische Musikologin Daniela Maccione, die im gleichen Verlag bereits Rachmaninoffs Werke für Cello und Klavier herausgegeben hat, sorgt auch hier wieder für eine im Notenbild vorzüglich gestaltete praktische Ausgabe, die zugleich wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Den Notentext umrahmen eine englische und deutsche Einleitung, die auf Entstehung und Überlieferung der einzelnen Stücke eingeht, sowie – nur auf Englisch – ein kritischer Bericht mit Quellenbeschreibung.
Im Falle von op. 6 kann sich die Herausgeberin auf das Autograf, die Moskauer Erstausgabe und die spätere Edition bei Breitkopf & Härtel aus dem frühen 20. Jahrhundert stützen, während der „Urtext“-Anspruch bei der posthumen Romanze aufgrund der dürftigen Quellenlage mit einigen Fragezeichen zu versehen ist. Mangels einer Eigenschrift Rachmaninoffs dient hier die von dem US-amerikanischen Geiger Louis Persinger (1887–1966) herausgegebene Fassung als Vorlage.
Mit seinem op. 6 schuf Rachmaninoff ein in sich gegensätzliches Diptychon: Eröffnet wird es mit einer „Romance“ in dreiteiliger Liedform. Die Ansprüche an beide Interpreten steigern sich im anschließenden „Danse hongroise“, wo sich der Komponist im Wechsel von „Vivace“ und „Meno mosso“ an die Csárdás-Tradition mit Lassú- und Friss-Abschnitten anlehnt. Die posthume, wohl zum Frühwerk Rachmaninoffs zu rechnende Romanze im 6/8-Takt ist wie jene aus op. 6 dreiteilig angelegt, mit einem bewegteren Mittelteil samt Violinkadenz, einer im Klavierpart gesteigerten Reprise und umrahmenden Lento-Takten.
Im Anhang enthält die Edition Rachmaninoffs eine Bearbeitung des Hopak aus Modest Mussorgskys Jahrmarkt von Sorotschinzy. Diesen Hopak pflegte Rachmaninoff bei seinen Auftritten als Pianist gerne in eigener Transkription als Zugabestück zu verwenden und schuf daraufhin, vielleicht auch inspiriert durch sein gemeinsames Konzertieren mit Geigern wie Fritz Kreisler, eine mit allerhand geigentechnischen Finessen gespickte Bearbeitung für Violine und Klavier. Diese dürfte sich für Duo-Abende mit Geige und Klavier bestens als applaustreibendes „Encore“ eignen.
Gerhard Dietel

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