Virtuos Italian Clarinet

Works by Girolamo Salieri

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Genuin GEN 85053
erschienen in: das Orchester 12/2006 , Seite 89

Der 1979 geborene Ital­iener Giuseppe Por­go ist die eigentliche Ent­deck­ung der bei­den Neuer­schei­n­un­gen mit solis­tis­chen Klar­inet­ten­werken aus der Zeit der Klas­sik bzw. des frühen Vir­tu­osen­tums in der ersten Hälfte des 19. Jahrhun­derts. Ste­ht Por­go auf der Hoffmeis­ter-CD noch in der zweit­en Rei­he hin­ter Dieter Klöck­er, einem sein­er ver­schiede­nen Lehrer, tritt er mit sein­er ersten eige­nen CD mit Werken von Giro­lamo Salieri und Gioacchi­no Rossi­ni vol­lends ins Ram­p­en­licht. Nach der Orch­esterein­leitung zum ersten Vari­a­tio­nen­werk, dem Ada­gio, tema con vari­azioni über ein The­ma von Rossi­ni trumpft er mit ein­er vir­tu­osen Kadenz auf, die sogle­ich die tech­nis­chen und ton­lichen Qual­itäten Por­gos offen­legt. Bis in die Spitzen­töne (c””) klingt sein Ton sub­stanzvoll. Mit Leichtigkeit meis­tert er anschließend die hochvir­tu­osen Vari­a­tio­nen, ohne dabei die musikalis­che Gestal­tung aus dem Blick zu ver­lieren.
Das musikalis­che Feuer­w­erk set­zt sich in weit­eren Vari­a­tio­nen­werken über The­men aus Belli­nis I Capuleti e i Mon­tec­chi und Gio­van­ni Paci­nis I cro­ciati a Tole­maide sowie über ein eigenes The­ma fort – Kom­po­si­tio­nen, bei denen man kaum über den Kom­pon­is­ten nach­denkt, sind sie doch alle nach dem gle­ichen Strick­muster gebaut. Über­raschen­des ist nicht zu ver­melden. So ist es auch nicht ver­wun­der­lich, dass über den Kom­pon­is­ten Giro­lamo Salieri nicht viel bekan­nt ist. Wir ken­nen sein Geburts­da­tum, 1794, wis­sen, dass sein Vater ein Brud­er des berühmten Anto­nio Salieri war und dass er als Klar­inet­tist am The­ater in Tri­est tätig war und dort auch an der Musikschule unter­richtet hat. Für seine eige­nen Konz­erte mag er die Vari­a­tio­nen­werke kom­poniert haben, die Giuseppe Por­go hier erst­mals auf CD einge­spielt hat. Wann Salieri gestor­ben ist, ist nicht bekan­nt.
Qua­si als Zugabe zu Salieri gibt es auf dieser Debut-CD noch Rossi­nis musikalisch und dynamisch aus­ge­feilt musiziertes Bravourstück Intro­duzione tema e vari­azioni zu hören. Hier begleit­et das Süd­west­deutsche Kam­merorch­ester Pforzheim unter Sebas­t­ian Tewinkel eben­so ele­gant und engagiert wie bei den Stück­en von Salieri.
Dass Giuseppe Por­go dem CD-Klar­inet­tenkat­a­log mit den Opern­vari­a­tio­nen Salieris einige Rar­itäten hinzuge­fügt und nicht mit allzu bekan­nten Konz­erten seine CD-Lauf­bahn begonnen hat, ist äußerst anerken­nenswert und scheint auf den Ein­fluss Dieter Klöck­ers zurück­zuge­hen, der mit ihm eben­falls Unbekan­ntes, näm­lich zwei konz­er­tante Sin­fonien in Es-Dur für zwei Klar­inet­ten und Orch­ester von Franz Anton Hoffmeis­ter (1754–1812) in exzel­len­tem Zusam­men­spiel aufgenom­men hat. Die Nr. 2 ist dabei eine Erstein­spielung, während er die Sin­fo­nia con­cer­tante Nr. 1 bere­its früher mit seinem jahre­lan­gen, kür­zlich ver­stor­be­nen Kol­le­gen Walde­mar Wan­del einge­spielt hat. Neben diesen bei­den Konz­erten hat sich Dieter Klöck­er noch ein­mal mit dem bedeu­ten­den Solokonz­ert Hoffmeis­ters auseinan­der geset­zt, das er bere­its 1972 mit dem Con­cer­to Ams­ter­dam aufgenom­men hat­te. Er hat jet­zt die ver­schiede­nen Abschriften ver­glichen und legt nun eine so genan­nte (ter­mi­nol­o­gisch allerd­ings frag­würdi­ge) „gere­inigte Fas­sung“ vor.
Diese gibt dem Werk gegenüber der Erstein­spielung einen etwas vir­tu­oseren Anstrich. Die klare Melodielin­ie der älteren Ver­sion wird häu­figer aus­geziert und im Schlusssatz wer­den alle kaden­zieren­den Abschlüsse zu Auszierun­gen genutzt. Klöck­er bläst mit gewohnt kul­tiviertem Ton, nimmt die Tem­pi etwas forsch­er, musiziert aber nicht ganz so detail­freudig wie in der Auf­nahme von 1972. Johannes Moe­sus ist mit dem Süd­west­deutschen Kam­merorch­ester ein aufmerk­samer Part­ner und mit­gestal­tender Diri­gent, allerd­ings kön­nten die hohen Stre­ich­er etwas mehr klan­gliche Wärme ent­fal­ten.
Herib­ert Haase