Werke von Detlev Glanert, Franz Schubert, Johannes Brahms, Felix Mendelssohn Bartholdy
Vier Präludien und Ernste Gesänge/Lieder für mittlere Singstimme und Orchester u. a.
Thomas Hampson (Bariton), Würth Philharmoniker, Ltg. Claudio Vandelli
Seit ihrer Gründung im Jahr 2017 haben die von der Musikstiftung des Schraubenfabrikanten Reinhold Würth getragenen Würth Philharmoniker eine beachtenswerte Entwicklung durchlaufen. Das Ensemble, das seinen Sitz im Carmen Würth Forum in Künzelsau hat, wird heute von seinem Chefdirigenten Claudio Vandelli geleitet, jüngst wurde zudem Kent Nagano Ehrendirigent der Würth Philharmoniker. Bei ihrer aktuellen CD steht Johannes Brahms im Zentrum, wobei neben den Variationen über ein Thema von Joseph Haydn op. 56a Brahms als Bearbeiter von Liedern von Franz Schubert und seine Vier ernsten Gesänge in der freien Bearbeitung von Detlev Glanert versammelt sind. Etwas fremd erscheint in dieser Zusammenstellung die Hebriden-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy, die in einem gesofteten Streichersound erklingt, der an Karajan der 1970er-Jahre erinnert. Da die Würth Philharmoniker die Akademische Festouvertüre von Brahms schon früher eingespielt haben, wäre seine Tragische Ouvertüre eher passend gewesen.
Für Schubert/Brahms und Brahms/Brahms/Glanert wurde mit Thomas Hampson ein renommierter Liedgestalter verpflichtet, der seinen stimmlichen Zenit indes schon überschritten hat. Trotz seiner beachtlichen Textverständlichkeit und Ausdruckskraft wirkt sein Bariton etwas spröde, die Tiefe nicht mehr satt, die Höhe nicht immer souverän. Die einstige Farbenpracht seiner Stimme wirkt inzwischen reduziert. Bei der „Gruppe aus dem Tartarus“ kann er mit dramatischer Wucht überzeugen, An Schwager Kronos versieht der Bariton mit einigem Überschwang, Geheimes überzeugt durch subtile stimmliche Schattierungen.
Während sich Brahms bei seiner Instrumentierung der Schubert-Lieder eng an den Klaviersatz des Komponisten hielt, geht Detlev Glanert den Weg einer Erweiterung. Mehrere Vorspiele und ein Nachspiel ergänzen und kommentieren die Vier ernsten Gesänge. Brahms stellte die Texte für die Gesänge aus der Bibel zusammen und wollte darin Trauer und Trost ausdrücken. Glanert holt mit seiner Fassung die Gesänge an die Gegenwart heran, ohne die Substanz der Komposition anzutasten. Die Präludien nehmen den Geist der Lieder vorweg. Seine Vier Präludien und Ernste Gesänge für Bassbariton und Orchester haben nicht nur den größten Repertoirewert der CD, hier findet auch Thomas Hampson zu großer Ausdrucktiefe. Zudem inspiriert Claudio Vandelli die Würth Philharmoniker zu farbenreichem Spiel. Dies zeichnet auch die sehr detailfreudige, von vielen Bläsersoli geprägte Sicht auf die „Haydn-Variationen“ aus, denen es aber etwas am großen Spannungsbogen mangelt.
Thomas Weiss


