Frischknecht, Hans Eugen

Vier Bilder für 1 Schlagzeuger

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Gamma, Bad Schwalbach 2013
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 71

„Vier Blät­ter“ kön­nte sie auch heißen, die bere­its 2005 ent­standene und nun neu in der Edi­tion Gam­ma erschienene Kom­po­si­tion für Soloschlagzeug des Schweiz­er Kom­pon­is­ten, Organ­is­ten und Chor­leit­ers Hans Eugen Frischknecht (*1939). Denn jedes der vier perkus­siv­en Bilder ist so kurz, dass es auf eine gut leser­liche, handgeschriebene Noten­seite passt. Inner­halb eines jeden Stücks wird mit nur ein­er Instru­menten­gruppe gear­beit­et, deren jew­eilige klang­far­bliche Mono­chromie kom­pos­i­torisch aufs Schön­ste dif­feren­ziert wird.
Die Charak­tere der vier kleinen Klang­bilder mit ein­er Dauer zwis­chen 90 und 160 Sekun­den sind sehr unter­schiedlich. Im ersten Satz glitzert das Glock­en­spiel im Wech­sel mit gleißen­den Tri­an­geln, der zweite Satz ist eine geschmei­di­ge Kurz­ton-Studie in Holz auf dem Marim­ba. Ein kleines Drum-Set ohne Bass-Drum zeich­net im Fol­gen­den eine kurze „Skizze in Jazz“ mit Impro­vi­sa­tion­san­teilen, den Ausklang besor­gen leise schwebende Vibra­fon­klänge. Ihren beson­deren Reiz und ihre volle klan­gliche Opu­lenz wer­den die Vier Bilder in einem gut klin­gen­den Raum ent­fal­ten, z. B. in ein­er Kirche, für deren spezielle Akustik sie gewiss ursprünglich kom­poniert wur­den.
Alle Sätze des Stücks sind in Space-Nota­tion geschrieben, die unge­fähren Ton­dauern lassen sich aus den Abstän­den zwis­chen den einzel­nen Notenköpfen her­ausle­sen. Diese Nota­tion­sweise ist den musikalis­chen Inhal­ten angemessen, da sie den nöti­gen und erwün­scht­en Raum für Gestal­tungs­freiräume und impro­visierte Pas­sagen bietet. Spiel­er- und lese­fre­undlich ist die Aus­gabe aber auch in ander­er Hin­sicht: Die hinzuge­fügten Erläuterun­gen zu Schlägel­wahl und anderen Auf­führungs­de­tails lassen an Klarheit nichts zu wün­schen übrig. Einzig die Instru­menten­liste müsste noch ein­mal über­ar­beit­et wer­den, damit dem Schlagzeuger beim Aus­pack­en am Konz­er­tort nicht das Vibra­fon fehlt.
Für den erfahre­nen Schlagzeuger sind Frischknechts Vier Bilder leicht zu spie­len, für jugendliche Spiel­er, z. B. aus der Mit­tel­stufe ein­er Musikschule, stellen sie eine schöne Her­aus­forderung dar. Ein Wer­mut­stropfen für die Auf­führen­den: So prag­ma­tisch die Nota­tion ist, so beträchtlich ist der instru­men­tale Aufwand für die gut zehn Minuten Musik: Vibra­fon, Glock­en­spiel, Marim­ba­fon, ein kleines Drum-Set, Tem­pel­blocks und Kleinin­stru­mente – wer das je selb­st ein- und aus­ge­laden hat, weiß, wovon ich rede.
Stephan Froleyks