Chmielewska, Aleksandra

Veni Emmanuel

für gemischten Chor a cappella (SSAATTBB), Partitur

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2016
erschienen in: das Orchester 11/2016 , Seite 64

Die junge pol­nis­che Kom­pon­istin Alek­san­dra Chmielews­ka (geb. 1993) gewann mit Veni Emmanuel den 2. Preis beim 12. Inter­na­tionalen Kom­po­si­tion­swet­tbe­werb „Musi­ca Sacra Nova“, aus­geschrieben u.a. vom Erzbis­tum Köln und dem Gaude Mater in Czesto­chowa (Tschen­stochau). Die Urauf­führung fand im Rah­men des „Europäis­chen Fes­ti­vals für zeit­genös­sis­che geistliche Musik“ in Brauweil­er am 21. Mai 2016 statt. Nach einem abgeschlosse­nen Oboen­studi­um studiert Chmielews­ka weit­er­hin Kom­po­si­tion und Kun­st­geschichte, zudem ist sie auch Autorin.
Das aus ursprünglich fünf Antipho­nen für die let­zten Tage vor der Geburt des Erlösers adap­tierte Adventslied ist ins­beson­dere im englis­chen Sprachraum weit ver­bre­it­et. Die bekan­nteste Melodie, die – ange­blich aus dem Mit­te­lal­ter stam­mend – Mitte des 19. Jahrhun­derts von Thomas Hel­more veröf­fentlicht wurde, find­et bei Chmielews­ka keinen Wider­hall. Sie ver­tont vier der fünf lateinis­chen Stro­phen, tauscht dabei die zweite und dritte aus. Eine englis­che Über­set­zung (ohne Angabe, in der Fas­sung von Lacey) ist abge­druckt. Der Vers „Gaude! Gaude! Emmanuel!/Nascete pro te, Israel!“ been­det jede Stro­phe als Refrain, die Ana­pher „Veni, veni“ zu Beginn jed­er Stro­phe inten­siviert die Hoff­nung auf den Kom­menden. Chmielews­ka gibt dem Wort „Veni“ einen lom­bardis­chen Rhyth­mus und set­zt es, in den Stim­men ver­set­zt, als Mit­tel des Klan­gauf­baus ein. Durch seine Rep­e­ti­tio­nen und Wieder­auf­nah­men erhält es den Charak­ter eines Mot­tos. „Gaude“ ist nicht als musikalis­ch­er Refrain angelegt, zwar im Rhyth­mus mit dem Mot­to ver­wandt, tritt es verknüpft mit den unter­schiedlich gestal­teten Mit­tel­teilen, den eigentlichen Text­teilen, auf. Hier fehlt ein adäquater freudi­ger Charak­ter.
Die Ton­sprache ist recht kon­ven­tionell, modal mit eini­gen Klangschär­fun­gen. Oft wer­den Haupt­töne anges­teuert, kaden­zierende Schlüsse, als Noe­ma gebaut, been­den die jew­eili­gen Stro­phen. Tonal ist das Stück nicht geschlossen, es begin­nt in c- und endet in es-Moll. Auch wenn der Par­ti­tu­rauf­bau neun Stim­men zeigt (auf dem Titel­blatt sind nur acht ver­merkt), ist die Kom­po­si­tion oft nur zweis­tim­mig mit Mix­turen, d.h. in Quart- und Quint­par­al­le­len, aus­ge­führt. Die Teilung der Stim­men gilt nur phasen­weise, die Par­ti­tur hätte oft auch auf vier Sys­te­men Platz gefun­den.
Ansätze zu Poly­fonie gibt es kaum, hinge­gen gen Ende zu Über­lagerun­gen ver­schieden­er Gestal­ten. Statt auf Entwick­lun­gen set­zt die Kom­pon­istin auf Wieder­hol­un­gen, die dreima­lige Rück­ung von Klangfeldern auf den Grundtö­nen c und h bei „O Jesse Vir­gu­la“ ist ein recht ein­fach­es Mit­tel. Der Sopran wird sel­ten in die Höhe geführt, ihm fehlt es an Strahlkraft.
Veni Emmanuel ist für Chöre nicht schw­er in der Aus­führung, dabei klan­glich wirkungsvoll, kom­pos­i­torisch macht es sich Chmielews­ka teil­weise zu leicht.
Chris­t­ian Kuntze-Krakau