Molter, Johann

Trumpet and Clarinet Concertos/Symphony in D major

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Coviello Classics COV 31305
erschienen in: das Orchester 12/2013 , Seite 76

Im Jahr 2012 feierte die Badische Staatskapelle Karlsruhe, das sechstälteste Orchester der Welt, das Jubiläum ihres 350-jährigen Bestehens. Um die Mitte des 17. Jahrhunderts ist erstmals eine Kapelle der badischen Markgrafen in deren Residenz in Durlach dokumentiert. Da gab es die Stadt Karlsruhe noch gar nicht. Als 1717 Johann Melchior Molter dann aber als Geiger in die Hofkapelle eintrat, lag die Stadtgründung zwei Jahre zurück. 1722 wurde der 1696 in Thüringen geborene Molter Leiter der Hofkapelle. Zunächst hatte er dieses Amt bis 1733 inne, dann – aufgrund einer zeitweiligen kriegsbedingten Auflösung der Kapelle – erst wieder ab 1743 bis zu seinem Tod 1765. Berühmte Musiker standen in 350 Jahren an der Spitze des Orchesters in der badischen Metropole: Dessoff, Mottl, Levi, Keilberth oder Krips. Aber von den komponierenden Hofkapellmeistern und Generalmusikdirektoren ist neben Franz Danzi Johann Molter bis heute der bedeutendste geblieben.
Die vorliegende Aufnahme von drei Trompeten- und zwei Klarinettenkonzerten sowie der D-Dur-Sinfonie, die freilich nicht in Karlsruhe, sondern wohl in Venedig komponiert wurde, belegt jedenfalls deutlich, dass Molter zu den wichtigen Meistern an der Schwelle vom Spätbarock zum galanten Stil gehört. Seine Musik ist bei aller Schlichtheit und Prägnanz kunstvoll gesetzt und getragen von Anmut und animierender Frische. Anklänge an die Innovationen der geografisch ja gar nicht weit entfernten Mannheimer Schule sind ebenfalls zu erkennen.
Die Qualität dieser belebenden Musik bringen die Ausführenden bestens zur Geltung. Wolfgang Bauer, Professor an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart, erweist sich einmal mehr als hoch virtuoser Trompeter, der sein Instrument strahlend zum Klingen bringt, aber auch in den langsamen Sätzen wunderbare Kantilenen entfaltet – und das nicht selten in atemberaubend hoher Lage.
Auch der Klarinettist Martin Spangenberg, Professor an der Musikhochschule Franz Liszt in Weimar und ebenfalls gefragter Solist, agiert technisch perfekt und im doppelten Wortsinn glänzend in den Konzerten für die D-Klarinette, die vorwiegend in hoher Lage gespielt wird, weshalb die Konzerte in ihrem Klangcharakter denen für die Trompete recht ähnlich sind.
Auch wenn auf modernen Instrumenten musiziert wird, ist der Klang locker und transparent, der Gestus beschwingt und impulsiv. Das Württembergische Kammerorchester aus Heilbronn spielt unter der Leitung von Ruben Gazarian, der nun auch schon über zehn Jahre erfolgreich dem Ensemble vorsteht, seine reiche Erfahrung mit der Musik des 18. Jahrhunderts nachhaltig aus.
Sehr instruktiv ist der Text im Booklet von Joachim Draheim, einem anerkanntermaßen intimen Kenner der Karlsruher Musikgeschichte, zu der er schon mehrfach publiziert hat.
Karl Georg Berg