Georg Philipp Telemann

Trompetenkonzerte

Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Trompete und Leitung: Matthias Höfs

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Berlin Classics
erschienen in: das Orchester 03/2018 , Seite 65

Matthias Höfs ste­ht für die Per­fek­tion des Trompe­ten­spiels. Der Pro­fes­sor für Trompete der Hochschule für Musik und The­ater Ham­burg hat sich auf dem neuen Ton­träger auss­chließlich Werken Georg Philipp Tele­manns gewid­met. Tele­mann war ein­er der pro­duk­tivsten deutschen Barock­kom­pon­is­ten, was die Trompe­ten­lit­er­atur anbe­langt: Umfassen alle Clar­i­no-Stim­men aus den Werken Bachs drei Bände (Aus­gabe Musi­ca Rara), so wären es bei Tele­mann gut und gerne um die 40 Stück. Als kom­pe­ten­ten Kam­mer­musik­part­ner hat Höfs sich die Deutsche Kam­mer­phil­har­monie Bre­men aus­ge­sucht. Schon nach den ersten Tak­ten wird klar, dass fil­igranes, zugle­ich sou­veränes Spiel sowie Stil­sicher­heit hier zu ein­er wertvollen Inter­pre­ta­tion führen, die die Hör­er in ihren Bann zieht.
Die Zusam­men­stel­lung der Werke enthält neben den Trompe­tenkonz­erten Nr. 1–3 in D-Dur die Sonata (Sin­fo­nia) D-Dur TWV 44:1, bei welch­er der Trompete im Ver­gle­ich zu den Trompe­tenkonz­erten eher eine unter­ge­ord­nete Rolle zukommt und von Tele­mann bzw. vom Kopis­ten, dem Darm­städter Hofkapellmeis­ter Christoph Graup­n­er, als se piace in die Stim­men geschrieben wurde. Durch­brochen wer­den diese Orig­i­nal­w­erke durch zwei Bear­beitun­gen von Solosonat­en mit Con­tin­uobe­gleitung. Hierin kann der Solist ein­mal mehr sein unver­gle­ich­lich­es tech­nis­ches Kön­nen beweisen und zeigen, dass diese Musik, deren ursprüngliche Instru­menten­beze­ich­nung von Tele­mann offen gelassen wurde und die üblicher­weise auf Vio­line, Flöte oder Oboe gespielt wurde, auch für die mod­erne Trompete von heute eine reizvolle Auf­gabe sein kann. Die sechssätzige Sonate h-Moll (ent­nom­men den 12 Method­is­chen Stu­di­en) wird nur mit ein­er Begleitung aus Vio­lon­cel­lo und Cem­ba­lo aus­ge­führt. Höfs weiß dies mit wun­der­schön klarem und zartem Klang, tänz­erisch-fein artikuliert für sich zu nutzen und präsen­tiert eine Bear­beitung für die mod­erne Pic­colotrompete, die mit Bedacht und Sachken­nt­nis erstellt wurde.
In der fün­f­sätzi­gen Sonate g-Moll TWV 41 G6 ergeben sich traumhaft schöne kam­mer­musikalis­che Dialoge zwis­chen der Trompete und dem Fagott (Hig­inio Arrue), stil­sich­er unter­malt von Wolf­gang Zer­er am Cem­ba­lo. Die Deutsche Kam­mer­phil­har­monie Bre­men, welche auch bei diesem Pro­jekt unter der Leitung des Solis­ten stand, wird ihrem Ruf als Spitzenorch­ester gerecht: Exzel­lent har­monieren die Musik­er untere­inan­der, man spürt den unbe­d­ingten Willen zur Gestal­tung sowie die Auseinan­der­set­zung mit den Spiel- und Verzierung­stech­niken bei Tele­mann.
Im edel daherk­om­menden Book­let (deutsch und englisch) find­en sich nach einem Vor­wort des Solis­ten ein inter­es­san­ter Auf­satz Edward H. Tarrs zur Rolle der Trompete bei Tele­mann. Ergänzt wird dies durch biografis­che Hin­weise zu den Aus­führen­den.
Mit dieser CD gelin­gen Matthias Höfs und der Deutschen Kam­mer­phil­har­monie Bre­men eine per­fek­te Wid­mung an einen der größten deutschen Kom­pon­is­ten der Barockzeit.
Kristin Thiele­mann