Richard Wagner

Tristan und Isolde. Paraphrase for String Septet by Martina Trumpp

Solistenensemble D’Accord

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Coviello Classics
erschienen in: das Orchester 03/2024 , Seite 68

Etwas Aufbauendes muss nun her, das dachte sich die Violinistin Martina Trumpp in den langen Monaten des Corona-Lockdowns und erarbeitete eine Version von Wagners Tristan und Isolde für String Septet. Natürlich verkauft sich Wagner immer gut, und in Deutschland wird er gerne „verkleinert“. Ein Spagat zwischen Klassik und Event – Wagner soll ja auch „Spaß machen“, so erklärt es die Violinistin in einem Interview. Zugegeben, es gibt schon viele Bearbeitungen dieser Opern, zumeist für Klavier; selbst Leopold Stokowski hat eigene Arrangements dieser Werke mit Orchester aufgeführt. Liszt kreierte Transkriptionen für Klavier von sämtlichen Beethoven-Symphonien, wohl zumeist, um die Sinfonien zu verbreiten, in einer Zeit, in der technische Wiedergabemittel nicht bekannt waren.
Martina Trumpp zeigt künstlerisch viele Facetten, so entwickelt sie zudem eigene Konzertreihen, gründet Festspiele und veranstaltet Seminare. Gerne auch im Umfeld großer Namen. Sie ist ebenfalls Leiterin des Solistenensembles D’Accord, seit 2022 leitet sie die D’Accord Akademie, zudem die Schubertiade Schloss Eyb, ebenso das neu gegründete Festival Hohenschwangau Klassik. 2023 erschien das Album Der große Karneval der Tiere. Kinder- und Jugendkonzerte sind ihr ein weiteres Anliegen.
Zeigt die Künstlerin mit ihrer Hommage an Richard Wagner großes Feingefühl in der Paraphrase sowie Brillanz im Spiel, fehlt mir nach 20 Minuten die dramatische Dimension, die Wagners Werk auf der Bühne kennzeichnet. Die menschliche Stimme war ihm ein sehr wichtiges Ausdrucksmittel, die fehlt dann doch. Es bleibt zumeist bei einem Wiedererkennen bekannter Strukturen. Ein großartiges Musizieren darf man durchweg bestätigen, spannungsreich gestaltet, mit Farbe und Klangvolumen anhand kluger Vibrato-Effekte.
Laut Martina Trumpp soll Cosima Wagner in ihren Tagebüchern berichtet haben, dass Tristan und Isolde eigentlich keine Oper sei, jedenfalls keine für Singstimme mit Handlung und Orchesterbegleitung, sondern laut Richard Wagner ganz symphonisch konzipiert wurde. Dies kann ich nicht nachvollziehen. Wagner hatte immer präzise Vorstellungen darüber, was er mit seinen Werken sagen wollte. An eine solche Aussage in den Tagebüchern kann ich mich nicht erinnern, auch Hartmut Haenchen erwähnt Ähnliches in seiner Tristan-Analyse mitnichten.
Das Solistenensemble D’Accord besteht laut CD-Programmheft aus herausragenden internationalen Spitzenmusiker:innen renommierter Orchester oder auch Solist.innen, die hier durchaus überzeugen. Sicherlich besteht aktuell eine Marktlücke für Neues, ob diese so bestehen bleiben wird, ist fraglich, denn Oper ist ohne Zweifel ein ganz anders gelagertes musikalisches Erlebnis. Dennoch ist der Versuch interessant.
Midou Grossmann