Haydn, Joseph / Isidro de Laporta

Trios für Violine, Violoncello und Gitarre

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Galunder Records
erschienen in: das Orchester 12/2005 , Seite 76

Manche CDs weisen mit ihren Titeln auf etwas hin, was auf ihnen gar nicht (oder nur bed­ingt) vorhan­den ist. So geschehen auch bei der Veröf­fentlichung von Trios für Vio­line, Vio­lon­cel­lo und Gitarre von Haydn und de Lapor­ta, einge­spielt vom Delos Trio Köln. Das Cov­er wirbt zuerst in großen Let­tern mit dem Namen des all­ge­mein bekan­nten Haydn und gibt danach erst den Namen des unbekan­nten spanis­chen Kom­pon­is­ten Isidro de Lapor­ta an. Tat­säch­lich han­delt es sich aber um eine CD, auf der de Lapor­tas Opus 1 ver­sam­melt ist und lediglich ergänzt wird durch eine eigen­händi­ge Bear­beitung Haydns sein­er Cas­sa­tiona Hob. III: 6 für diese Beset­zung.
Vielle­icht würde dies nicht so ins Gewicht fall­en, wenn denn de Lapor­tas sechs Trios einen starken kom­pos­i­torischen Ein­druck hin­ter­lassen kön­nten. Aber das ist lei­der nicht der Fall. Die zweisätzi­gen Werke sind kleine, gefäl­lige, leicht eingängige Musik­stücke, die jedoch sehr ein­fältig und ohne beson­dere Raf­fi­nesse daherkom­men. Zudem wer­den diese Kom­po­si­tio­nen vom Delos Trio Köln zwar nicht lust­los, aber doch sehr ger­adlin­ig und ein wenig ein­fall­s­los vor­ge­tra­gen. Aber einen Vor­wurf kann man daraus den Inter­pre­ten nicht machen: Was sollen sie aus ein­er Musik her­aus­holen, die an sich sehr sub­stan­z­los ist? Eines macht die Auf­nahme des Delos Trios Köln somit deut­lich: die kom­pos­i­torischen Schwächen.
Und so lauscht man der CD wed­er gen­ervt noch abge­lenkt oder in den Bann gezo­gen, fragt sich immer wieder, warum sich Musik­er auf­machen, diese Reper­toirelücke zu schließen und die Werke auch noch aufzunehmen, und ver­misst die kom­pos­i­torischen Qual­itäten, wie man sie beispiel­sweise bei den Ent­deck­un­gen barock­er spanis­ch­er Musik (und Inter­pre­ta­tio­nen) des Ensem­bles Al Ayre Español machte. De Lapor­tas Trios sind im Gegen­satz dazu „Musik­stücke fürs Neben­her“ – und dafür zugegeben­er­maßen wirk­lich gut geeignet. Zur Ein­tönigkeit der Kom­po­si­tio­nen tritt noch die Ein­för­migkeit hinzu: Die zwei Sätze aller Trios sind in Satzcharak­ter und Tem­po nahezu gle­ich und schwanken lediglich zwis­chen Alle­gro und Alle­gret­to.
Um so über­raschter ist man, wenn man schließlich zur „Zugabe“ der CD gelangt, die eigentlich nach der Ankündi­gung des Cov­ers die Haupt­sache aus­machen soll: Haydns Cas­sa­tiona set­zt mit einem Presto ein, und plöt­zlich, obwohl dieses Werk Haydns auch nur der Unter­hal­tung dienen sollte, horcht man auf und schenkt der CD doch noch Gehör. Aber das ist dann doch ein biss­chen zu wenig, um die fast eine Stunde Musik zuvor zu überdeck­en.
Kle­mens Fiebach