Norbert Abels
Tonfabeln
Vom Stoff, aus dem die Opern sind
Der Dramaturg und Autor Norbert Abels bringt mit Tonfabeln den dritten Band seiner Operntrilogie bei Dielmann heraus. Vorangegangen sind Band 1 Ohrentheater und Band 2 Notenlese. In Tonfabeln geht es überwiegend um das Verhältnis von Ton und Wort. Der Band untergliedert sich in drei Teilbereiche. Teil 1 „Cantus facio, ergo sum“ handelt von der Ästhetik, Europa und dem Orient, dem Beruf des Dirigenten, guter Musik, kulturellen Bildungsgedanken, Protestantismus und Oper, der Fernsehoper, der Pastorale und dem Weltuntergang sowie der Angst in der Musik.
Der zweite Teil „Over the Rainbow“ bringt Themen wie Italien in der Musik, 1813, den Freiheitsgedanken, den Kaiserwinter 1871, den Wagner-Kult und seine ästhetischen Schriften, Gedanken zu Die Meistersinger von Nürnberg, Rienzi, Il trovatore, Simon Boccanegra und Otello, eine Lohengrin-Aufführung 1871, Parallelen von Verdi und Schiller sowie das Groteske bei Victor Hugo und Verdi.
Der dritte Teil ist übertitelt mit „Wahrtraumdeuterei“ und zeigt Momentaufnahmen der Operngeschichte sowie schwerpunktmäßig vernachlässigte oder/und in Vergessenheit geratene Bühnenwerke wie Emilio Cavalieris Rapprentatione di anima et di corpo, Donizettis Roberto Devereux oder Berlioz’ Les Troyens. Außerdem werden der Zauberer Merlin in der Oper, die Täuschungstechnik in Don Giovanni, Überschneidungen bei Shakespeare, Leskow und Schostakowitsch, Ralph Vaughan Williams und The Pilgrims Progress, Hans Zender und das Ensemble Modern, Happy New Ears und die Künstleroper betrachtet sowie ein postmortales (und somit erfundenes) Interview mit Benjamin Britten angedruckt.
Der Autor Norbert Abels ist u. a. Professor für Musiktheaterdramaturgie und Theatergeschichte an der Folkwang Universität in Essen, war Chefdramaturg (Oper Frankfurt) und Produktionsdramaturg (Bayreuther Festspiele).
Der Band umfasst viele unzusammenhängende Themen, eigentlich, so scheint es, alles, was der Autor zu den Schwerpunktthemen in seinem bisherigen Leben verfasst hat. Dabei gründen sich die Texte auf Vorträge, Vorlesungen, dramaturgische Beiträge und Artikel in Fachpublikationen. Sie wurden überarbeitet und in ungekürzten vollständigen Fassungen abgedruckt. Verwendet wurden als Gedankenstränge viele Zitate bekannter Persönlichkeiten, mithilfe derer der Autor seinen Themenfundus aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und beleuchtet. Ein wahrer Wälzer, der viele Themen des Musiktheaters anreißt, aber natürlich nicht zur Gänze behandeln kann.
Claudia Behn


