Strauss, Richard / Gustav Mahler / Béla Kovács

Theophil Ensemble Wien

live im ORF RadioKulturhaus

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Classic Concert Records CCR 62152
erschienen in: das Orchester 07-08/2012 , Seite 77

Auf dieser CD mit Tran­skrip­tio­nen von Richard Strauss und Gus­tav Mahler stellt sich ein junges, vielver­sprechen­des Kam­mer­musik-Ensem­ble vor: das Theophil Ensem­ble Wien, das von dem Solok­lar­inet­tis­ten der Wiener Phil­har­moniker Matthias Schorn im Jahr 2008 gegrün­det wurde und aus Stimm­führern und Solobläsern der Wiener Phil­har­moniker, des Radio Sym­phonie Orch­esters Wien und der Wiener Volk­sop­er beste­ht. Es ist nach dem dänisch-öster­re­ichis­chen Architek­ten, Theophil von Hansen, dem Erbauer des Wiener Musikvere­ins, benan­nt.
Zunächst spielt das Ensem­ble in der Beset­zung Klar­inette, Fagott, Horn, Vio­line und Kon­tra­bass Till Eulen­spiegel ein­mal anders, eine „Grotesque musi­cale“, die von dem Wiener Kom­pon­is­ten Franz Hasenöhrl (1885–1970) erstellt wurde. Das Ergeb­nis ist eine abge­speck­te und verk­nappte Ver­sion von Till Eulen­spiegels lusti­gen Stre­ichen op. 28 von Richard Strauss, die die Essenz des Werks auch ohne die opu­lente Orchestrierungskun­st von Strauss darstellt. Diese Kam­mer­musik-Ver­sion wird von den Mit­gliedern des Theophil Ensem­bles lust- und genussvoll musiziert.
Im Kon­trast zu dieser musikalis­chen Kurzweil ste­hen Gus­tav Mahlers Lieder eines fahren­den Gesellen in ein­er Tran­skrip­tion für Bari­ton und Nonett von Andreas N. Tark­mann aus dem Jahr 1998. Schon Arnold Schön­berg hat­te diese Lieder 1920 für seinen „Vere­in für musikalis­che Pri­vatauf­führun­gen“ in Wien bear­beit­et, da er sich keine großen Orch­esterbe­set­zun­gen leis­ten kon­nte. Die hier exzel­lent aus­ge­führte Bear­beitung für Klar­inette, Horn, Fagott und Stre­ichquin­tett mit dem aus­drucksvoll gestal­tenden Bari­ton Kle­mens Sander klingt zwar wie aus einem Guss, kann aber die Dif­feren­ziertheit des Mahler’schen Orch­ester­satzes und der damit ver­bun­de­nen nuan­cen­re­icheren Aus­sage nicht erre­ichen. Damit stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit dieser Bear­beitung, beson­ders wenn im drit­ten Lied die großen dynamis­chen Kon­traste ver­loren gehen. Nichts­destotrotz sind die Livemitschnitte vom Dezem­ber 2010 ein Doku­ment des hohen Niveaus des Theophil Ensem­bles.
Qua­si als Zugabe spielt Matthias Schorn Béla Kovács (*1937) Hom­mage à Richard Strauss für Klar­inette solo. In dieser Liveauf­nahme aus dem Jahr 2007 fasziniert der Klar­inet­tist durch seine bravouröse Tech­nik und Tonkul­tur.
Das Bei­heft der CD, die in Zusam­me­nar­beit mit dem ORF ent­standen ist, passt sich der mit 30 Minuten Spielzeit äußerst knapp bespiel­ten CD mit seinem gerin­gen Infor­ma­tion­swert, der nur aus einem kurzen Vor­wort Schorns und der Biografie des Sängers beste­ht, lei­der an.
Herib­ert Haase