Pelker, Bärbel (Hg.)

Theater um Mozart

im Auftrag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2006
erschienen in: das Orchester 06/2007 , Seite 71

Mozart über­stand alles – auch das zurück­liegende Jubiläum­s­jahr mit sein­er unglaublichen Flut an Mozart-Büch­ern. Eine lesenswerte Ergänzung dazu ist The­ater um Mozart, als Begleit­buch zur gle­ich­nami­gen Ausstel­lung in Hei­del­berg und Schwet­zin­gen konzip­iert. Hier nähert sich ein Autorenteam um die Her­aus­ge­berin Bär­bel Pelk­er dem Phänomen Mozart aus ver­schiede­nen Blick­winkeln, wobei man allerd­ings kaum wirk­lich Neues über Werk oder Leben des Kom­pon­is­ten erfährt.
Denn es wird mit zunehmender his­torisch­er Ent­fer­nung keineswegs leichter, dem Rät­sel Mozart auf die Spur zu kom­men. Dabei sei, so schreibt Silke Leopold in ihrem Auf­satz „Liebe­serk­lärung an die Musik Mozarts“, die Fülle von Mate­ri­alien, die Archivarisches und Anek­do­tis­ches häu­fig verquicke, nicht schuld­los an den ver­schiede­nen Mozart-Bildern, mit denen die Nach­welt kon­fron­tiert werde.
Auch in The­ater um Mozart ste­ht ein­mal mehr die Mozart-Ikono­grafie („Klein­er blass­er Mann mit dick­em Kopf, äußerst unansehlich“, so Gunter Krenn) im Zen­trum des Inter­ess­es. Ob Mozarts Leben als Schnulze, gerichtet an ein Pub­likum, das gewohnt war, ein­fache Botschaften zu codieren, ob in amerikanisch adap­tierten „Mozart-Sto­ries“ oder in Milos For­mans Amadeus-Film des Jahres 1984, es bestand zu kein­er Zeit die Gefahr, dass Mozart der filmis­chen Vergessen­heit anheim­fiel.
Zumal der Kom­pon­ist, als ein­er der wichtig­sten „Iden­tität­sköpfe Öster­re­ichs“, sehr bald zur „Marke“ wurde. Angela Bräu­nig reflek­tiert die Kult­s­teuerung in Bezug auf Mozart, hin­ter­fragt „Mythol­o­gisierung“ und „kul­tische Verehrung“ und weist darauf hin, dass bere­its zu Anfang des 19. Jahrhun­derts gebün­delte Lock­en des Kom­pon­is­ten als „Les chevaux du célèbre com­pos­i­teur W.A. Mozart“ in alle Welt hin­aus­ge­tra­gen wur­den.
Als „kon­ser­v­a­tiv­en Rev­o­lu­tionär“ beschreibt Volk­mar Braun­behrens den Kom­pon­is­ten, der jedoch gern „cav­al­ière­ment“ mit Kutsche, Diener und in sorgfältig­ster Garder­obe reiste. Und Bär­bel Peuk­er geht akribisch auf Mozarts Aufen­thalte in der Kurp­falz ein – nur einige der vie­len Sta­tio­nen von Mozarts Reisen, aber genauer betra­chtet „markieren sie ganz wichtige Abschnitte seines Lebens“.
Das Schwet­zinger Schlossthe­ater als „Ide­al­ty­pus eines Sprech- und Musik­the­aters des 18. Jahrhun­derts“, so Moni­ka Scholl, dürfte dabei eine bedeu­tende Rolle gespielt haben. Jeden­falls wid­met man hier diesem The­ater 21 schön bebilderte Seit­en, bevor u.a. Autor Jan Ass­mann ein­mal mehr über „Kun­st und Rit­u­al in der Zauber­flöte“ reflek­tiert und sich in Mut­maßun­gen erge­ht, nach denen die drei Damen eigentlich die Frauen der Priester seien.
Flo­ri­an Ebel­ing dage­gen befasst sich aus­führlich mit dem „Todesmo­tiv“ in der Zauber­flöte, deren Rät­sel­haftigkeit durch Büh­nen­bilder, Fig­uri­nen und viele Illus­tra­tio­nen im Laufe der Jahrhun­derte, wie Annette Frese dar­legt, noch unter­strichen wurde. Zuweilen durch pit­toreske Architek­tur­fan­tasien, aber auch durch epochemachende Bühne­nen­twürfe wie diejeni­gen Karl Friedrich Schinkels.
Dag­mar Zurek