The Seasons

20th-Century Music for Wind Quintet, 4 CDs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Bis BIS-2072
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 78

Diese vier CDs sind einzeln zwis­chen 1992 und 2003 erschienen (Früh­ling: BIS-536, 1992, Som­mer: BIS-952, 1998, Herb­st: BIS-752, 1996, Win­ter: BIS-1332, 2003) und haben inter­na­tion­al großen Beifall gefun­den. Es ist höchst ver­di­en­stvoll, dass das Label Bis diese Pro­duk­tio­nen zeit­genös­sis­ch­er Bläserkam­mer­musik neu und preiswert anbi­etet, weil vieles davon entwed­er gar nicht oder nicht so beein­druck­end inter­pretiert auf dem Markt ist.
Neben Bekan­ntem wie Hin­demiths Klein­er Kam­mer­musik op. 24:2 und seinem Septett für Blasin­stru­mente und neben ver­traut­en Bläser­w­erken von Jacques Ibert, Jean Françaix, Dar­ius Mil­haud und Eugene Boz­za, neben Sel­tenerem wie Hen­ri Toma­sis Print­emps für Sax­o­fon und Bläserquin­tett oder den Bläserquin­tet­ten von Carl Nielsen und Charles Koech­lin find­en sich so exquis­ite Musikperlen wie das Quin­tet­ti­no op. 13 von Arvo Pärt, die Music For A Dead Friend von Peteris Vasks, die Win­ter Songs für Tenor und Bläserquin­tett von Brett Dean, die Archi­tec­ton­ics I für Bläserquin­tett von Erk­ki-Sven Tüür, aber auch Elliott Carters sel­ten zu hören­des Bläserquin­tett, Gun­ther Schullers Suite, Samuel Bar­bers Sum­mer Music op. 31, Júlio Medaglias Suit­en Belle Epoque en Sud-Amer­i­ca und Pop­u­lar Brasileira, Liduino Ptiombeiras Aju­bete Jepê Amô Mbaê und – auch sel­ten zu hören – Hans Wern­er Hen­zes Quin­tett von 1952 und dazu sein L’Autunno in fünf Sätzen für jew­eils fünf ganz unter­schiedliche Bläs­er (1977).
Der Umstand, dass einzelne Werk­ti­tel auf Jahreszeit­en hin­weisen, gab der Kas­sette ihren Titel. Wer Lust dazu hat, kann sich anhand der ins­ge­samt 23 unter­schiedlichen Werke viere­in­halb Stun­den lang über die faszinierende Vielfalt dessen informieren, was die Kom­pon­is­ten des 20. Jahrhun­derts der orig­inellen Bläserquin­tett-For­ma­tion – in eini­gen Fällen ergänzt durch Singstimme oder Soloin­stru­mente – auszu­drück­en anver­traut haben. Offen­bar reizt die attrak­tive Klan­gau­ra der vier um ein Horn ergänzten Holzblasin­stru­mente die Kom­pon­is­ten immer wieder von Neuem zu Kom­po­si­tio­nen, und das seit dem von Anto­nio Roset­ti 1780 kom­ponierten früh­esten bekan­nten Werk dieser Gat­tung, also seit inzwis­chen rund 230 Jahren. Welche erstaunliche Fülle an Ein­fällen, Stim­mungen, Klang­möglichkeit­en, auch in Rei­bun­gen oft extrem­ster Art sich dabei erleben lassen, ist ein schlicht faszinieren­der Lern­prozess. Man kann den famosen Bläsern der Berlin­er Phil­har­moniker nur immer wieder aller­höch­stes Lob zollen für die umfan­gre­iche und in dieser Reich­haltigkeit ein­ma­lige Erfas­sung des in man­nig­fachen Sti­larten und Kom­po­si­tion­sweisen unser­er Zeit für Bläserquin­tett Kom­ponierten und noch mehr für die hin­reißen­den, tech­nisch bril­lanten, inten­siv erfühlten und vir­tu­os exeku­tierten Inter­pre­ta­tio­nen dieser begeis­tern­den Werkvielfalt! Man muss es wieder­holen: Es ist höchst ver­di­en­stvoll, dass Bis diese Pro­duk­tio­nen zeit­genös­sis­ch­er Bläserkam­mer­musik neu und preiswert anbi­etet!
Diether Steppuhn