Hesketh, Kenneth

The Doctrine of Affections

for eight wind instruments, Partitur/Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, London 2013
erschienen in: das Orchester 12/2013 , Seite 72

Kom­pon­ist Ken­neth Hes­keth, geboren 1968, nan­nte sein Werk für acht Bläs­er (Flöte/Altflöte, Klarinette/Bassklarinette, zwei Fagotte/Kontrafagott, Trompete in C, Trompete in B, Posaune und Bass­posaune) und einen Diri­gen­ten „Affek­ten­lehre“: Sind hier tat­säch­lich Para­me­ter der barock­en Kom­ponierkun­st anzutr­e­f­fen?
Mit „Cho­rus 1 (Fan­fara)“ begin­nt es: For­tis­si­mo klingt es in allen Stim­men, aber melodisch und har­monisch ist es kein biss­chen barock. Drei kräfti­gen, fan­fare­nar­ti­gen Tak­ten fol­gt eine auf­steigende Lin­ie in der Bass­posaune, die Klar­inette kommt mit exakt notiertem, schnellem Lega­to-Gedudel um die erste untere Hil­f­s­lin­ie herum dazu. Posaune und zweite Trompete sowie die Bass­posaune fügen Töne im Stac­ca­to hinzu. Einen Takt später fol­gt die Flöte, melodisch und rhyth­misch ein wenig der Klar­inette auf ihrem Weg in die hohen Lagen ähnel­nd – aber eben nur ein wenig. Genaues Spiel ist nötig, um die feinen Details her­auszuar­beit­en. Ins­ge­samt über­wiegt der fan­fare­nar­tige Charak­ter.
Die fol­gende „Aria di Por­ta­men­to“ lässt der Alt­flöte viel Raum. Lange Töne in tiefer Lage hat sie zuerst zu spie­len, später schwingt sie sich dann in größere Höhen auf. Der Kom­pon­ist möchte, dass die Alt­flöte am Büh­nen­rand, auf Höhe des Diri­gen­ten, diese Aria spielt. Dadurch kommt sie akustisch bess­er zur Gel­tung. Über­haupt will Hes­keth alles gut durch­hör­bar gespielt wis­sen: Dem Blech wird im Vor­wort nahegelegt, sich im For­tis­si­mo an der Laut­stärke der Holzbläs­er zu ori­en­tieren, um diese nicht zuzudeck­en.
„Cho­rus II („Fram­men­ti di fan­fara“) fol­gt. Wieder fan­fare­nar­tige, dies­mal weitaus kürzere Sig­nale, die rhyth­misch exakt auf dem Punkt kom­men müssen. Die immer­hin 67 Tak­te lange „Aria di Par­lante“ darf not­falls aus­ge­lassen wer­den, heißt es im Vor­wort. Warum hat Hes­keth sie dann über­haupt kom­poniert? Fröh­lich­es Stac­ca­to-Geschnat­ter gibt es hier, mal mit mehr, mal mit weniger Instru­menten beset­zt.
Die „Aria d’Imitazione“ schließt sich an: Flat­terzunge und Stac­ca­to der bei­den hohen Holzbläs­er über san­ften lan­gen Tönen der tief­er­en Kol­legin­nen. „Aria d’Agilità“ heißt der fol­gende Satz. Im schnellen 12/8‑Takt erin­nert er zu Beginn an eine Gigue. Doch schon nach weni­gen Tak­ten verän­dern die vie­len Tak­twech­sel den Charak­ter der weit­er­hin sehr deut­lichen Motorik. „Cho­rus III“ schickt die Flöte in die Höhe. Flöte, Klar­inette und Fagott begeben sich in schnelle Läufe, Kon­trafagott und Blech dür­fen es etwas gemäch­lich­er ange­hen. Ein akustisch imposan­ter, flot­ter Schlusssatz. Hes­keth hält die Ein­heit des Affek­ts im Satz ein, hat aber melodisch und har­monisch den barock­en Rah­men weit hin­ter sich gelassen. Auch sind wed­er Satz­folge noch Satz­form streng barock.
Durch die Wahl der Beset­zung und der mod­er­nen Instru­mente klingt es kräftig und orches­tral, ste­hen viele Klang­far­ben zur Ver­fü­gung. Ein Diri­gent ist notwendig. Das 2006 uraufge­führte Stück dauert immer­hin 14 Minuten.
Heike Eickhoff