Büsing, Otfried

Tetraeder

Vier Miniaturen für Bläserquintett, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: edition gravis, Bad Schwalbach 2006
erschienen in: das Orchester 11/2006 , Seite 91

Den Freiburg­er Kom­po­si­tion­spro­fes­sor Otfried Büs­ing verbindet eine enge Zusam­me­nar­beit mit dem Ensem­ble Aven­ture, das auch die vor­liegen­den Minia­turen für Bläserquin­tett im Mai 2006 zur Urauf­führung brachte. Das fünfminütige Werk kommt bis auf eine Stelle, die von allen Bläsern Flat­terzunge sowie von der Flöte auch Tremoli fordert, durch­weg mit kon­ven­tionellen Spiel­tech­niken aus. Bläserisch ist das Werk ohne größere Mühen zu bewälti­gen, da der Kom­pon­ist auf extreme Lagen verzichtet. Auch die tech­nis­chen Anforderun­gen bewe­gen sich im Rah­men dessen, was man von Holzbläserkam­mer­musiken des 20. bzw. des 21. Jahrhun­derts gewohnt ist. Die Grundtem­pi präzisiert Büs­ing nicht näher. Der musikalis­che Fluss ergibt sich jedoch durch das zugrunde liegende Prinzip der Punk­t­sym­me­trie und die sowohl rhyth­misch als auch dynamisch detail­liert auszu­tari­eren­den Kon­traste von selb­st.
Häu­fige Tak­twech­sel und ineinan­der ver­wobene Tri­olen, Quar­tolen und Quin­tolen kennze­ich­nen den ersten Satz, der schließlich in eine an eine Gigue erin­nernde Pas­sage mün­det. Fein­nervige Reak­tio­nen erfordert der etwas ver­track­te Ein­stieg zum Andante, das sich zunächst in gesan­glichen Quin­tolen­blöck­en präsen­tiert, die sich schließlich zu einem oszilieren­den Klangtep­pich verdicht­en. Das Presto ent­fal­tet eine ganz eigene Energie in hals­brecherischen Kaskaden, die eine absolute Kon­trolle der Bin­nen­dy­namik ver­lan­gen. Büs­ing stellt hier Flöte und Oboe dem tief­er­en Reg­is­ter block­weise gegenüber. In diesem Satz wird der gesamte zur Ver­fü­gung ste­hende Klan­graum in Verbindung mit einem hochkom­plex­en rhyth­mis­chen Geflecht aus­geschöpft. Das motorisch geprägte, durch­weg homo­fone Affana­to erin­nert zunächst an Ref­eren­zw­erke der Gat­tung, über­raschen­der­weise ver­haucht die Kom­po­si­tion jedoch in ruhi­gen Klangflächen. Um in den ob der for­malen Anlage sehr klein­teili­gen Struk­turen aufge­fächerte und trotz­dem lebendi­ge Klänge zu erzie­len, ist in Bezug auf die Dynamik eine detail­ver­liebte Arbeit unab­d­ing­bar, denn erst dann wird die zugrunde liegende math­e­ma­tis­che Dimen­sion erfahrbar.
Die Par­ti­tur ist benutzer­fre­undlich und über­sichtlich angelegt. Allerd­ings lassen Papi­er- und Druck­qual­ität stark zu wün­schen übrig. Davon abge­se­hen ist Büs­ings Werk uneingeschränkt empfehlenswert, da es die zeit­genös­sis­che Quin­tet­tlit­er­atur auf unauf­dringliche Weise zu bere­ich­ern ver­ste­ht.
San­dra Sinsch