Tehran Symphony Orchestra live in Osnabrück

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Dreyer-Gaido 21036
erschienen in: das Orchester 10/2007 , Seite 83

Geben wir es doch zu: Zum The­ma Per­sien und Musik kommt uns besten­falls die süßlich-kitschige Pièce Auf einem per­sis­chen Markt von Albert William Ketel­bey in den Sinn – eine Kom­po­si­tion, die mit Per­sien so viel zu tun hat wie Kun­st mit Kun­st­dünger! Aufk­lärung tut also not, und da kommt die vor­liegende CD ger­ade recht.
Der Auftritt der finanziell katas­trophal aus­ges­tat­teten Teheran­er Sym­phoniker in Osnabrück hat seine eigene Geschichte, die hier nur kurz angeris­sen wer­den kann (aus­führlich­er siehe die ein­schlägige Presse-Berichter­stat­tung vom August 2006): Im Rah­men des Mor­gen­land Fes­ti­vals Osnabrück kam das Tehran Sym­pho­ny Orches­tra zu seinem viel beachteten ersten Besuch in Deutsch­land – und das unter höchst erschw­erten Bedin­gun­gen. Erst spät in der Nacht vor dem Konz­ert trafen die iranis­chen Musik­er in Osnabrück ein und kon­nten sich vor ihrem Auftritt ger­ade ein­mal vier Stun­den Schlaf gön­nen.
Davon aber war ihnen nichts anzumerken, als es ans Musizieren ging. Tschaikowskys Fan­tasieou­vertüre Romeo und Julia will dabei nicht so recht ins Pro­gramm passen und ist wohl eher eine Konzes­sion­sentschei­dung an das Pub­likum, das sich in sein­er Mehrheit ein­er rein iranis­chen Musik-CD doch eher ver­schließen würde. Gle­ich­wohl wird die Musik des großen Russen mit ein­er Kom­bi­na­tion aus Enthu­si­as­mus, Per­fek­tion und „Schmiss“ zu Gehör gebracht, die selb­st unter europäis­chen Spitzenorch­estern oft genug ihres­gle­ichen sucht.
Ein­geleit­et wird die CD mit der großorches­tralen fün­f­sätzi­gen Per­sis­chen Suite von Has­san Riahi, ein­er reizvollen, ori­en­tal­isch kolo­ri­erten Musik ohne irgendwelche avant­gardis­tis­che Ambi­tion­iertheit­en.
Einen wirk­lichen Höhep­unkt erre­icht die CD mit der Urauf­führung der Kom­po­si­tion Fié ma Fié III, die der Kom­pon­ist Nad­er Mashayekhi als eine Über­malung der früheren Kom­po­si­tio­nen Fié ma Fié II und Fié ma Fié I ver­ste­ht: „Iranis­che Gesangsstimme, Rah­men­trom­mel und das Sin­fonieorch­ester über­lagern und über­malen sich gegen­seit­ig mit ihren Klän­gen.“ (Volk­er Michael) Allein die minuten­lange, jaz­zverdächtige Ein­leitung der Solo-Daf ist das pure Hörvergnü­gen, geschmälert nur dadurch, dass man dem vir­tu­os auf­spie­len­den Tromm­ler Harir Shari­atzadeh nicht gle­ichzeit­ig auch zuschauen kann, bevor er seinem Sängerkol­le­gen Salar Aghili und dem Orch­ester das Feld über­lässt, um nun­mehr lupen­reine ori­en­tal­is­che Musik zu poduzieren. Ein beson­der­er Glücks­fall ist die Zugabe Encore, ein eben­falls unverkennbar ori­en­tal­is­ches, mitreißen­des Gesangsstück mit Begleitung von Daf und Setar.
Einziger Schön­heits­fehler der CD sind die nicht uner­he­blichen Störg­eräusche dieser Liveauf­nahme. Doch die hier vorgenomme­nen Ein­spielun­gen machen jeden tech­nis­chen Man­gel mehr als wett!
Friede­mann Kluge