Goltermann, Georg

Tarantella op. 60 Nr.2

für Cello und Klavier

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Varner, München 2004
erschienen in: das Orchester 02/2005 , Seite 79

Das seit Jahren ver­grif­f­ene Konz­ert­stück des beliebten Cel­lokom­pon­is­ten ist nun zu seinem 180. Geburt­stag neu erschienen. Die Taran­tel­la ist ein sehr melodiös­es, spritzig-fröh­lich­es Stück, geeignet als Zugabe für den Konz­ert­saal, aber auch als Schüler­lit­er­atur sich­er sehr beliebt. Für die linke Hand sehr angenehm gele­gen, im Lagen­bere­ich 1–7 (außer den Fla­geo­lett­tö­nen am Schluss), mit vie­len Sequen­zen und Wieder­hol­un­gen der Haupt­mo­tive. Die eingängige Melodie im schnellen 6/8‑Takt weckt die Spiel­freude und erfordert eine gewisse Leichtigkeit im Spielfluss hin zur Vir­tu­osität. Man spürt stark den Ursprung des Volk­stanzes bzw. Heil­tanzes: Wer von der Taran­tel gestochen wurde, kon­nte durch wildes Tanzen bis zur Erschöp­fung geheilt wer­den. Genau so kann man sich in diese Musik hineinsteigern.
Das Werk des Enkelschülers von Bern­hard Romberg lässt sich grob in drei Teile gliedern: A B A’ – wobei der Mit­tel­teil nach Dur wech­selt und leg­giero gespielt wird. Die Struk­tur ist ins­ge­samt recht ein­fach, aber den­noch effek­tvoll, trotz oder ger­ade wegen der vie­len Wieder­hol­un­gen und deren vielfälti­gen Erschei­n­ungs­for­men inner­halb der einzel­nen Teile. Bogen­tech­nisch ist das Stück auch für Schüler gut zu bewälti­gen, da die oft durchgängi­gen Achtel 2+1 zusam­menge­fasst oder in Lega­to­bö­gen gespielt wer­den. Der Klavier­part ist wie die Cel­lostimme durch­sichtig und schlicht.
Ins­ge­samt ist es, was Druck und Ein­band bet­rifft, eine sehr gute Aus­gabe. Es wäre allerd­ings schön gewe­sen, wenn man sich das Blät­tern bei vier Seit­en durchge­hen­der Musik mit Hil­fe ausklapp­bar­er Seit­en sparen hätte kön­nen. Der Musikver­lag MCV wurde 1999 von dem Musik­ere­hep­aar Varn­er gegrün­det. Da Johan­na Varn­er auch Cel­listin ist, darf man hof­fen, dass weit­ere Juwe­len der Cel­lo­lit­er­atur, die ver­grif­f­en oder noch nie ver­legt wur­den (ein weit­er­er Schw­er­punkt des Ver­lags), neu her­aus­gegeben werden.
Mar­ti­na Plum