Gustav Mahler
Symphony No. 7 in E minor
Tonhalle Orchester Zürich, Ltg. Paavo Järvi
Mit der hier auf CD vorliegenden Aufnahme von Gustav Mahlers 7. Symphonie haben Dirigent Paavo Järvi und das Tonhalle-Orchester Zürich ihren Mahler-Zyklus auf exzellentem Niveau fortgesetzt. Die Einspielung entstand im November 2024 in der Tonhalle Zürich. Mahler begann mit der Ausarbeitung seiner
7. Symphonie im Jahre 1904 und beendete sie 1905. Die Uraufführung erfolgte erst am 19. August 1908 in Prag unter der Leitung des Komponisten, hatte aber lediglich einen Achtungserfolg. Das Publikum verstand diese Musik größtenteils nicht. Die Entstehungsgeschichte des Werks war von großem Trübsinn seines Schöpfers geprägt. U. a. starb in dieser Zeit Mahlers Lieblingstochter Marie. Auch sonst hatte Mahler in diesen Jahren viel Schweres zu ertragen, was den Schaffensprozess nicht unerheblich lähmte. So litt er beispielsweise unter Schreibblockaden und sah sich zudem antisemitischen Hasstiraden ausgesetzt. Die 7. Symphonie gehört Mahlers mittlerer Schaffensperiode an und kommt im Gegensatz zu mancher seiner vorangegangenen Symphonien ganz ohne Worte aus. Mithin steht hier das symphonische Element gänzlich im Vordergrund. Das Ganze atmet einen sehr progressiven Charakter und bewegt sich manchmal an den Grenzen der Tonalität. Mahler bezeichnete seine 7. Symphonie als „mein bestes Werk und vorwiegend heiteren Charakters“. Dass die Musik teilweise heitere Züge aufweist, stimmt sicher. Indes kommen auch schwermütige und trübselige Momente vor. Ebenfalls bemerkenswert sind Anklänge an Wagners Meistersinger.
Insgesamt wartet Mahler hier mit einem interessanten und ausgesprochen abwechslungsreichen Klanggemälde auf, das von Dirigent Paavo Järvi und dem hervorragend disponierten Tonhalle-Orchester Zürich mit ungeheurem Elan, Feuer und oft geradezu rasanter Fulminanz meisterlich ausgelotet wird. Temperamentvollen und vehementen Orchesterausbrüchen stellt der Dirigent fein gesponnene, leise Stellen gegenüber und wartet zudem häufig mit markanten Akzenten auf. Sehr eindrucksvoll gelingen ihm die beiden Nachtmusiken, die unter seiner versierten musikalischen Leitung äußerst intensiv und fast schon anmutig klingen. Locker und tänzerisch deutet er die erste Nachtmusik aus. Traumhaft leicht und sinnlich erklingt die zweite Nachtmusik. Diese beiden Sätze wirken indes nicht dunkel und bedrohlich, sondern eher hell und freundlich. Außerdem wartet Järvi mit großen Spannungsbögen und prägnant gesetzten Höhepunkten auf, die dem Klangteppich eine ganz eigene Würze verleihen. Von enormer Turbulenz und Rasanz ist das Finale geprägt, in dem der Dirigent noch einmal alle Register seines enormen Könnens zieht und die Symphonie ganz im Einklang mit den Intentionen Mahlers zu einem guten Ende führt. Der musikalische Weg vom Dunkel ins Licht wird von Järvi hier trefflich nachgezeichnet.
Ludwig Steinbach


