Dmitri Schostakowitsch
Symphonies, Jazz-Ballett & Filmmusik, Konzerte, Concertos
WDR Sinfonieorchester, Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, National Symphony Orchestra of Ukraine, Rubio Quartett, Ltg. Rudolf Barshai, Theodore Kuchar, Valeri Polyansky u. a.
Für ein echtes Jubiläum eines Komponisten – in diesem Fall das 50. Todesjahr von Dmitri Schostakowitsch – darf selbstverständlich eine Gesamtausgabe oder eine ansehnliche Kompilation seiner Werke nicht fehlen. Das Label Brillant konzentrierte sich hier ausschließlich auf dessen gängige Instrumentalmusik, die aber nicht vollständig ist. So fehlen Werke aus dessen Jugendzeit, zahlreiche Filmmusiken usf. Die Vokalwerke, wie Lieder, Chorwerke, sein Oratorium oder seine beiden Opern, sind von vornherein ausgespart. Es würde die Anzahl der CDs wohl mehr als verdoppeln. Wie so oft handelt es sich dabei um keine Neueinspielungen, sondern um Aufnahmen, die unterschiedliche Orchester, wie das WDR Sinfonieorchester, das Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, das Moskauer Sinfonieorchester oder verschiedene Ensembles wie das Rubio Quartett oder die Various Artists, zwischen 1992 und 2024 aufgenommen hatten.
Die Sammlung beginnt auch gleich mit den größten Brocken, und zwar mit den 15 Sinfonien. Sie erklingen allesamt vom hervorragend agierenden WDR Sinfonieorchester unter der Leitung des 1924 geborenen Rudolf Barshai und gehören zweifellos zu den besten Aufnahmen der Sammlung. Barshai gehört zu den Dirigenten der „alten Garde“, die Schostakowitsch noch persönlich kannten und erlebten. Er arrangierte einige seiner Streichquartette für größere Streichbesetzung, wie das den Dresdner Einwohnern gewidmete, berühmte Streichquartett Nr. 8 c-Moll, das er neben vier weiteren Arrangements dieser Art, die er noch 2005 mit den Mailändern eingespielt hatte. Sein einnehmendes Dirigat erinnert ein wenig an sowjetische Größen wie Jewgenij Swetlanow oder Kyrill Kondraschin, auch wenn er in Aussagekraft und innerer Dynamik nicht ganz an die beiden heranreicht.
Drei CDs gehören den Jazz-Suiten, Ballett- und einigen der zahlreichen Filmmusiken. Der ukrainisch-amerikanische Dirigent Theodore Kuchar spielte diese bereits 2006 zum 100. Geburtstag Schostakowitschs mit dem Nationalen Ukrainischen Sinfonieorchester Kiew ein. Die Solokonzerte sind von der spielerischen Qualität unterschiedlich – aussageschlanke Violinkonzerte, wirklich gelungene Cello- sowie Klavierkonzerte. Das Rubio Quartett spielte die 15 Streichquartette auf überaus hohem Niveau ein. Mit den übrigen Kammermusiken wie den beiden Trios und dem Klavierquintett op. 67 glänzen das Quartetto Noûs und das Trio Kanon. Auch die Einzelsonaten für Violine, Viola und Violoncello sind beeindruckend, insbesondere die Violinsonate op. 134 mit Isabelle van Keulen. Ebenso bereits 2006 spielte die Lettin Mũza Rubackytė sämtliche Präludien und Fugen für Klavier op. 87 ein, die aber eher profilarm daherkommen. Insgesamt trotzdem Aufnahmen, die einen überzeugenden Eindruck vermitteln.
Werner Bodendorff


