Beethoven, Ludwig van

Symphonies 7 & 8

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Oehms Classics OC 524
erschienen in: das Orchester 10/2007 , Seite 81

Lud­wig van Beethovens Sin­fonien Nr. 7 in A‑Dur und Nr. 8 in F‑Dur kann man guten Gewis­sens als Geschwis­ter beze­ich­nen. Sie fol­gen mit den Opuszahlen 92 und 93 im Werkverze­ich­nis nicht nur aufeinan­der, Beethoven hat sie auch – schw­er­punk­t­mäßig 1812 – in etwa zur gle­ichen Zeit fer­tig gestellt. Bei­de wur­den unter der Leitung des Kom­pon­is­ten im Abstand von noch nicht ein­mal drei Monat­en in Wien uraufge­führt, die siebte am 8. Dezem­ber 1813 im Uni­ver­sitätssaal, die achte am 27. Feb­ru­ar 1814 im Großen Red­outen­saal. Und bei diesem Anlass wurde die 7. Sin­fonie gle­ich noch ein­mal wieder­holt, wohl, weil sie beim Pub­likum so gut angekom­men war.
Und sie passen wirk­lich gut zueinan­der, denn es sind die bei­den einzi­gen Sin­fonien des Meis­ters ohne einen spez­i­fisch langsamen Satz, er beschei­det sich jew­eils mit einem Alle­gret­to. Außer­dem verzichtet das Instru­men­tar­i­um auch auf die Posaunen, die in der 5. und 6. Sin­fonie zum ersten Mal von Beethoven einge­set­zt wer­den und selb­stver­ständlich, in dreifach­er Beset­zung sog­ar, in sein­er Neun­ten. Das Haup­tkri­teri­um für ihre musikalis­che Nähe sind aber ihre unver­gle­ich­liche Gelös­theit, pulsierende Lebens­freude und eine pos­i­tive Ausstrahlung, die schlicht verkün­det: Beethoven ging es damals psy­chisch ein­fach gut!
Stanis­law Skrowaczews­ki, ein erfahren­er und hochgeschätzter Orch­ester­leit­er, weiß genau um die Prob­lematik der Beethoven’schen Klang­sprache. Mit dem Rund­funk-Sin­fonieorch­ester Saar­brück­en, dessen erster Gast­diri­gent er seit 1994 ist, real­isiert er eine Wieder­gabe in orches­traler Aus­ge­wogen­heit. Frei von ide­ol­o­gis­chem Bal­last und per­sön­lichen Eit­elkeit­en ori­en­tiert er sich nach eigen­em Bekun­den „an der Musik, ihrem Charak­ter, ihrem Inhalt und ihrer Botschaft“. Das Ergeb­nis ist ein klas­sis­ch­er Rah­men in klan­glich­er Homogen­ität, nicht nur zwis­chen den Instru­men­tal­grup­pen, sie ist spür­bar bis in die einzel­nen Akko­rde hinein. Völ­lig natür­lich und einge­bet­tet in den Fluss der Musik wirken auch die dynamis­chen Beethoven-Charak­ter­is­ti­ka wie über­raschende Wech­sel der Laut­stärke und Tem­porück­un­gen, die den Span­nungs­bo­gen erhöhen und weit­er­tra­gen. Musikalisch stim­mig wirkt darüber hin­aus das Gewicht­en von instru­men­talem Melos und bohren­der Motorik bei größt­möglich­er Trans­parenz. Trotz­dem bleiben die Eigen­ständigkeit und Orig­i­nal­ität der bei­den Sin­fonien gewahrt. Eine mehr als empfehlenswerte Auf­nahme!
Win­fried Kühne