Johann Nepomuk David
Symphonies 3 & 7
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Ltg. Johannes Wildner
2014 startete CPO seine Johann-Nepomuk-David-Reihe mit den Sinfonien 1 und 6, vier Jahre später folgten die Nummern 2 und 4. 2020 veröffentlichte das Label Davids Streichtrios op. 33 Nr. 1 bis 4, gespielt vom „OÖ. David Trio“. Jetzt ist das vorletzte Volume der Sinfonien erschienen, auf dem die Nummern 3 und 7 zu hören sind. Es fehlen also nur noch die Sinfonien Nr. 5 und 8. Spiritus Rector der Reihe war und ist der österreichische Dirigent Johannes Wildner, der das Projekt von Anfang an zusammen mit dem ORF Radio-Symphonieorchester Wien gestemmt hat. Bereits 2014 eingespielt, klingt die Aufnahme immer noch taufrisch.
Dass die Sinfonien des Österreichers, der sich selbst und seine acht Gattungsbeiträge in der Nachfolge der großen Symphoniker des Landes, allen voran Anton Bruckner und Franz Schmidt, verortete, in den Konzertsälen und auf Tonträgern kaum bis gar nicht vertreten sind, hängt sicherlich auch damit zusammen, dass sie anderen Gesetzmäßigkeiten gehorchen und insgesamt spröder konzipiert sind. Johannes Wildner sagte mir bei einem Telefonat, dass der Komponist Helmut Lachenmann, der in Stuttgart noch von David unterrichtet worden ist, gesagt habe, das Spannendste an Davids Unterricht seien die Analysen der Werke Bachs und Weberns gewesen.
In Davids 7. Sinfonie für großes Orchester von 1956 kommt die von Wildner hervorgehobene Strenge des Kontrapunkts besonders intensiv zum Ausdruck. In meinen Ohren handelt es sich hier sogar um die sprödeste aller David-Sinfonien – und um diejenige, die am deutlichsten in den Spuren der Zweiten Wiener Schule wandelt. Es handelt sich zwar nicht um ein zwölftöniges, aber um ein sehr dissonantes, hoch expressives und komplexes Werk. Das unmittelbar packende Spiel der ORF-Musiker:innen und Wildners glasklare Ausleuchtung des Werks sorgen für eine mustergültige Darbietung.
Auch die kleiner besetzte und im Vergleich zur Siebten regelrecht kammermusikalisch konzipierte Sinfonie Nr. 3 von 1941 (nur je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotte, ohne Posaunen und Tuba) zeichnet sich durch ihre strenge Ökonomie der Mittel und eine extreme polyfone Verdichtung aus. „Diese Polyphonie gehört zur Konzentration seines Ausdrucks“, schrieb Thomas Christian David, der Sohn des Komponisten, über das Werk seines Vaters.
Fast unnötig zu sagen, dass Wildner und sein hervorragend von ihm geleiteter österreichischer Klangkörper auch bei der Interpretation der Dritten eine ganz exzellente Figur machen, da es den Musiker:innen gelingt, die einzelnen Stimmen der Partitur messerscharf herauszuarbeiten und dabei doch den symphonisch-organischen Gesamtklang zu wahren. Wir dürfen ganz unbedingt gespannt sein auf die letzten beiden Sinfonien Nr. 5 und 8 dieser bislang vorbildlichen Reihe aus dem Hause cpo.
Burkhard Schäfer


