Haydn, Michael

Symphonies 14, 17, 19, 24, 29, 33, 40 & 41

Rubrik: CDs
Verlag/Label: cpo 777 137-2
erschienen in: das Orchester 07-08/2010 , Seite 64

Das Haydn-Jahr ist ger­ade erst verk­lun­gen, da liefert die Deutsche Kam­mer­akademie Neuss einen Nach­schlag: neun Sin­fonien (außer den acht auf dem Cov­er genan­nten noch die Sym­phonie F‑Dur) und drei Märsche. Allerd­ings nicht von Joseph Haydn, dessen 200. Todestag 2009 lan­dauf und landab gefeiert wurde, son­dern von Michael Haydn. Frank Beer­mann und Johannes Goritz­ki sind die bei­den Diri­gen­ten, die sich mit dem nieder­rheinis­chen Ensem­ble dem zweit­en Haydn zuge­wandt und das gängige Reper­toire der Wiener Klas­sik auch auf CD erweit­ert haben.
Johann Michael Haydn ist der um fünf Jahre jün­gere Brud­er des großen Kom­pon­is­ten. Der 1737 im niederöster­re­ichis­chen Rohrau geborene Michael trat früh in die Fußstapfen des großen Brud­ers: Er wurde eben­falls als Bub schon Chorkn­abe im Kapell­haus St. Stephan in Wien, studierte dort Vio­line, Clavier und Kom­po­si­tion und lan­dete nach sein­er Tätigkeit als Vio­lin­ist und bis­chöflich­er Kapellmeis­ter in Großwardein (heute Rumänien) in Salzburg, wo er schon vor Mozart eine Fes­tanstel­lung bekam und ab 1782 dessen Nach­folge als Hof- und Domor­gan­ist antrat.
Die Liste von Michael Haydns Werken ist lang: rund 800 Kom­po­si­tio­nen. Naturgemäß viel geistliche Musik, Messen, Kan­tat­en, Requien, aber auch Solokonz­erte, Kam­mer­musik, Ora­to­rien, Lieder, Tänze, Ser­e­naden und etliche Opern. Und eben auch 41 Sin­fonien.
Die auf dieser bei cpo erschiene­nen CD ver­sam­melten neun geben einen guten Überblick über Michael Haydns sin­fonis­ches Schaf­fen. Wichtig ist bei diesen spielerisch leicht­en Sin­fonien ein unver­stell­ter, spon­tan­er Zugriff. Den beweist die Deutsche Kam­mer­akademie Neuss in jedem Fall. Ob unter Frank Beer­manns oder Johannes Goritzkis Leitung, man hört die Freude am Musizieren. Mit fein­er dynamis­ch­er Dif­feren­zierung, bester Klang­bal­ance und stim­migem Tim­ing wird hier genau auf den Punkt gespielt. So bleibt das Leichte leicht, ohne vertän­delt zu wer­den.
Das aus­ge­wo­gene Spiel zwis­chen den klaren, sei­di­gen Stre­ich­ern und den klangsen­si­bel und erstaunlich indi­vidu­ell agieren­den Bläsern – egal ob Holz oder Hörn­er und Trompe­ten – erlaubt den Diri­gen­ten, die eingängi­gen Sätze mit natür­lichem Schwung, ohne über­reizte Akzen­tu­ierung zu servieren. Dass sog­ar eine Moll-Sin­fonie (Nr. 29 in d‑Moll) äußerst heit­er daherkom­men kann, beweist schon ihr eröff­nen­des Alle­gro bril­lante.
Beson­ders innig har­monieren die Bläs­er, von keck­en Flöten ange­führt, im Andante cantabile der A‑Dur-Sin­fonie, in deren Menuet­to sich ein Posthorn dezent in Szene set­zt. Mit einem ein­fühlsam geblase­nen Solo wartet das Fagott im Con­certi­no der voller Elan steck­enden Sin­fonie Nr. 14 (B‑Dur) auf, der die Nr. 17 (E‑Dur) mit fein zise­liertem solis­tis­chen Flötenein­satz im Trio des Menuetts fol­gt. Höchst anmutig tönen zum Abschluss die bei­den Märsche in F- und D‑Dur, denen Goritz­ki noch einen fes­tlichen, bläserg­erüsteten drit­ten (eben­falls D‑Dur) hin­ter­her­schickt. Ein trans­par­entes Klang­bild der gesamten Auf­nahme run­det das entspan­nte Hörvergnü­gen ab.
Gabriele Luster