Gustav Mahler

Symphonie Nr. 8

Tonkünstler Orchester, Ltg. Yutaka Sado

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Tonkünstler
erschienen in: das Orchester 5/2026 , Seite 76

Sie stellt gewissermaßen das „Opus summum“ im Schaffen Gustav Mahlers dar: die 8. Symphonie. Die extrem umfangreiche Besetzung dieses imposanten Werks hat ihm den Namen „Symphonie der Tausend“ eingebracht. Bei der Uraufführung im Jahre 1910 waren so viele Musiker:innen versammelt, wie es vorher bei keiner Sinfonie der Fall gewesen war. Auf der Konzertbühne standen neben dem umfangreichen Orchester Gesangssolist:innen der Stimmgattungen Sopran, Alt, Tenor, Bariton und Bass sowie zwei große gemischte Chöre und ein Knabenchor – insgesamt 350 beteiligte Musiker:innen. Mahler hatte an der Partitur vier Jahre lang gearbeitet und dabei sein ganzes Können in die Waagschale geworfen. Bemerkenswert ist seine Auswahl der vertonten Texte. Am Anfang steht der Pfingst-Mythos „Veni creator spiritus“. Später hört man die Vertonung der Schlussszene von Goethes Faust 2. Musikalisch wird der herkömmliche Rahmen der Gattung gesprengt. Neben sinfonischen Aspekten werden auch Elemente des Oratoriums und der Kantate merkbar. Hier ist Mahler etwas ganz Großes gelungen.
Die vorliegende Live-Aufnahme entstand 2025 im Wiener Musikverein. Mitgeschnitten wurde das letzte Konzert des Chefdirigenten Yutaka Sado mit dem Tonkünstler Orchester. Insgesamt haben die Werke Mahlers die Arbeit Yutakas mit diesem Orchester am meisten geprägt. Das ist durchaus nachvollziehbar. Auf dieser CD wird die ganze Liebe des Dirigenten, der früher ein Assistent Leonard Bernsteins war, zu Mahler offenkundig. Sein versierter Umgang mit der Partitur der 8. Symphonie, die er blendend beherrscht und hervorragend auslotet, nötigt allerhöchsten Respekt ab. Seine famose Kenntnis des Werks kommt hier voll zum Tragen. Sein Dirigat ist von ungemeinem Schwung und ausgeprägtem Elan und verleugnet durchaus nicht das heute meist verpönte Pathos. Mit großer Inbrunst animiert er das bestens disponierte Tonkünstler Orchester zu einem intensiven, romantisch angehauchten und sehr ausdrucksstarken Spiel in gemäßigten Tempi. Eine ebenmäßige Linienführung, spezifische Couleurs und groß angelegte Spannungsbögen tun ein Übriges, den Klangteppich ausgesprochen prachtvoll erscheinen zu lassen.
Die meisten der hier aufgebotenen Sänger:innen singen famos. Verity Wingate, Eleanor Lyons, Christina Gansch (Sopran), Štěpánka Pučálková, Yajie Zhang (Mezzosopran), Rafael Fingerlos (Bariton) und David Steffens (Bass) vermögen auf ganzer Linie für sich einzunehmen. Nicht überzeugt hat indes Maximilian Schmitt (Tenor), dem es erheblich an der nötigen Körperstütze der Stimme fehlt. Fantastisch schneiden der Wiener Singverein, der Slowakische Philharmonische Chor und die Wiener Sängerknaben ab.
Ludwig Steinbach

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