Gustav Mahler
Symphonie Nr. 4
Juliane Banse (Sopran), Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Ltg. Bernard Haitink
Zu einer beachtlichen Angelegenheit gerät die im November 2005 in der Münchner Philharmonie am Gasteig entstandene Live-Aufnahme von Mahlers 4. Symphonie mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Bernhard Haitink. Den Dirigenten und das Orchester verband eine über 60 Jahre andauernde, intensive und sehr fruchtbare Zusammenarbeit, die bis zu Haitinks Tod im Jahre 2021 andauerte. Die Veröffentlichung der hier vorliegenden Symphonie auf CD ist sehr zu begrüßen, denn sie ist eines der besten Zeugnisse von Haitinks Schaffen.
Die 4. Symphonie gehört sicher zu Mahlers eindrucksvollsten Schöpfungen. Sie ist die letzte seiner drei zusammenhängenden sogenannten „Wunderhorn“-Symphonien, in denen nicht nur reine Orchestermusik, sondern auch Lieder aus der Gedichtesammlung „Des Knaben Wunderhorn“ erklingen. Mahler komponierte sie in den Sommermonaten der Jahre 1899 und 1900. Für den letzten Satz verwendete er das Wunderhorn-Lied Das himmlische Leben. Aus der Taufe gehoben wurde die 4. Symphonie unter der Leitung des Komponisten am 25. November 1901 in München. Zuerst war dem Werk kein Erfolg beschieden. Das Publikum konnte sich mit Mahlers Abkehr vom romantischen Pathos und der wenig imposanten Tonsprache nicht anfreunden und versagte dem Komponisten darob die Anerkennung seiner neuesten Komposition. Erst später wurde die 4. Symphonie zu einem der gefragtesten Werke Mahlers, das häufig in den Konzertsälen zu hören ist.
Am Pult ist Altmeister Bernhard Haitink voll und ganz in seinem Element. Mit großem Einfühlungsvermögen animiert er das exzellent aufspielende Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu einem durchgehend sehr klaren, intensiven und transparenten Spiel. Neben der ausgezeichneten Durchhörbarkeit des Ganzen wartet der Dirigent zudem mit einer hervorragenden Detailarbeit auf. Gekonnt weist er den mannigfaltigen Details ihren großen musikalischen Zusammenhang zu. Darüber hinaus entlockt er den gut gelaunten Musiker:innen vielfältige spezifische Couleur vom Feinsten. Die musikalischen Strukturen von Mahlers Partitur werden von ihm einfühlsam herausgearbeitet. Die Diktion der Orchesterstimmen ist vorbildlich. Aus alledem ergibt sich eine ungemeine klangliche Sensitivität, die für Haitink typisch ist. Insgesamt erbringen Dirigent und Instrumentalist:innen hervorragende Leistungen. Demgegenüber fällt die Sängerin Juliane Banse ab. In der Mittellage singt sie zwar ordentlich, in der Höhe könnte ihr Sopran allerdings etwas mehr sinnliche Rundung vertragen. Ludwig Steinbach

