Mahler, Gustav

Symphonic Works

Complete Trumpet Parts, Volume I/II

Rubrik: Noten
Verlag/Label: International Music Company, New York 2004/2005
erschienen in: das Orchester 01/2006 , Seite 79

Die zweibändi­ge Aus­gabe der voll­ständi­gen Trompe­ten­stim­men der ersten sechs Mahler-Sin­fonien der Inter­na­tion­al Music Com­pa­ny aus New York sind mehr als nur eine bloße Zusam­men­stel­lung. Die aus­führliche Kom­men­tierung und Erörterung des musikalis­chen Mate­ri­als erlaubt tief­er­en Ein­blick in die großen Werke Mahlers aus Sicht des Trompeters.
Es ist nur selb­stver­ständlich, dass die Noten die stilis­tis­chen Anweisun­gen Mahlers enthal­ten. Nicht selb­stver­ständlich, jedoch äußerst hil­fre­ich sind die Spiel- und Übean­leitun­gen zu schwieri­gen Schlüs­sel­stellen. Hier wird die Musik auf ihre Struk­tur hin unter­sucht und dann von ein­er „Skelettstruk­tur“ her an das Orig­i­nal herange­führt. Man lernt so die Musik hin­ter den Noten sehr viel tiefer ken­nen und kann sich diese Pas­sagen stufen­weise erar­beit­en.
Nicht min­der wichtig ist das Lay­out. Eine gute Les­barkeit und Über­sichtlichkeit hil­ft bei den Stu­di­en. Nur zu oft entschei­det sie darüber, ob man sich über­haupt mit der Materie befasst. Nie­mand quält sich gerne durch unle­ser­liche Büch­er. Auch hier wurde Vor­bildlich­es geleis­tet. Das Auge find­et immer den richti­gen Platz, die stilis­tis­chen Anweisun­gen kol­li­dieren nicht mit der Musik.
Die Begleit­texte dieser englis­chen Aus­gabe stam­men von Michael Sachs, Solotrompeter des Cleve­land Orches­tras. Da sämtliche Anweisun­gen jedoch im deutschen Orig­i­nal vor­liegen, befind­et sich im Anhang jedes Ban­des eine Auf­stel­lung sämtlich­er deutsch­er Aus­drücke mit ihrer englis­chen Über­set­zung.
Man sollte diese Begleit­texte dur­chaus aufmerk­sam lesen, da man hier sehr nüt­zliche Hin­weise zur Auf­führung­sprax­is und zu den musikalis­chen Notwendigkeit­en bekommt. Als Beispiel sei das Posthornsignal des drit­ten Satzes der drit­ten Sin­fonie genan­nt: Hier disku­tiert Sachs die Wahl des Instru­ments in ver­schiede­nen Sälen. So nimmt er ein­mal das Flügel­horn, ein anderes Mal die C‑Trompete mit einem Filzdämpfer (ähn­lich dem Buck­et- oder Vel­vetmute), immer in Abwä­gung der akustis­chen Ver­hält­nisse auf bzw. hin­ter der Bühne.
Als Faz­it bleibt die Erken­nt­nis, dass hier eine run­dum gelun­gene Mis­chung aus Fak­ten und Didak­tik vor­liegt, die jedem, der sich mit der Musik Mahlers befassen möchte, zu empfehlen ist.
Math­ias Engl