Saint-Saëns, Camille / Antonín Dvorák

Suite für Violoncello und Orchester op. 16/Romanze op. 36 / Konzert für Violoncello und Orchester h‑Moll op. 104

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical 88697749252
erschienen in: das Orchester 07-08/2012 , Seite 74

Es war eine überzeu­gende Wahl, für die erste Konz­ertein­spielung von Max­i­m­il­ian Hor­nung Antonín Dvoráks Cel­lokonz­ert Unbekan­ntem von Camille Saint-Saëns gegenüber zustellen. Der junge Augs­burg­er, augen­blick­lich 1. Solo­cel­list des Sym­phonieorch­esters des Bay­erischen Rund­funks, hat mit sein­er Debüt-CD Jump (Sony 88697749242), in deren Mit­telpunkt Mahlers Lieder eines fahren­den Gesellen in der Fas­sung für Cel­lo und Klavier von Hor­nung ste­hen, gle­ich einen Echo-Klas­sik-Preis 2011 gewon­nen. Das lyrische Poten­zial des Cel­lis­ten kommt eben­so im Duo mit seinem Klavier­part­ner Ger­hard Viel­haber auf ein­er hörenswerten CD (Clas­sic Clips CLCL 114) mit Rach­mani­nows Cel­losonate und der Suite Ital­i­enne von Straw­in­sky zum Tra­gen.
Bei Dvor?ák stellt er sich mit großem Selb­st­be­wusst­sein, sou­verän­er Tech­nik – die Into­na­tion­ssicher­heit des Cel­lis­ten ist bewun­dern­swert – und großer klan­glich­er Inten­sität den Her­aus­forderun­gen des Konz­erts, das von nahezu jedem bedeu­ten­den Solis­ten bere­its einge­spielt wurde. Dies ficht Hor­nung indes nicht an, der seine manuelle Sicher­heit zu ein­er Inter­pre­ta­tion von lyrisch­er Inten­sität und großer San­glichkeit nutzt. Die vie­len vir­tu­osen Her­aus­forderun­gen sind so in eine Gesamt­sicht einge­bun­den, die Aus­druck nicht mit Sen­ti­men­tal­ität ver­wech­selt, das Vibra­to klang­far­blich fein dosiert und auf über­triebene Rubati eben­so wie auf ver­schleppte Tem­pi verzichtet.
Dabei ist ihm Sebas­t­ian Tewinkel, Chefdiri­gent des Süd­west­deutschen Kam­merorch­ester Pforzheim, ein gle­ich ges­timmter Part­ner. Die sehr plas­tisch musizieren­den Bam­berg­er Sym­phoniker – Bay­erische Staat­sphil­har­monie, deren machtvolle Blech­bläs­er sich aber nie zu dom­i­nant in den Vorder­grund schieben, bieten weitaus mehr als eine Rou­tineleis­tung.
Die Details der Musik wer­den plas­tisch aus­ge­bre­it­et, ohne die sin­fonis­che Groß­form in den Hin­ter­grund treten zu lassen. Solist und Diri­gent acht­en darauf, lyrische Details auszu­for­men, das Cel­lo in den Klangfluss einzu­bet­ten. Seine Kom­pe­tenz als Begleit­er hat­te Tewinkel schon beim ARD-Wet­tbe­werb mit dem Sym­phonieorch­ester des Bayrischen Rund­funks mit Beethovens 3. Klavierkonz­ert mit dem Sieger Alex­ey Gor­lach unter Beweis stellen kön­nen, was auf einem lebendi­gen Mitschnitt (BR Klas­sik 900115) nachzu­vol­lziehen ist.
Eben­so wie bei Dvorák ist Max­i­m­il­ian Hor­nung bei Saint-Saëns’ Suite op. 16 und der Romanze op. 36 für Cel­lo und Klavier, die hier in der Orch­ester­fas­sung des Kom­pon­is­ten erklin­gen, ein die musikalis­chen Charak­tere klangschön aus­for­mender Inter­pret. Das Spiel des Kom­pon­is­ten mit barock­en Tänzen in der Suite wird von Hor­nung frisch und dif­feren­ziert, mal elegisch (Séré­nade), tänz­erisch pointiert (Gavotte) oder zu einem vir­tu­osen Prestowirbel in der abschließen­den Taran­telle gesteigert darge­boten. Eben­so ein Hör­genuss ist die Romanze op. 36, die das lyrischen Poten­zial des Cel­lis­ten ein­mal mehr im hell­sten Licht erstrahlen lässt. Nicht nur die Inten­sität des Spiels von Hor­nung, auch die aus­drucksstarke Begleitung der Bam­berg­er vere­delt diese Miniatur.
Wal­ter Schneckenburger