Bonis, Mel

Suite

en forme de valses op. 35 bis 39 (15') für Orchester

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Furore, Kassel 2014
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 66

Der 1986 gegrün­dete, in Kas­sel ansäs­sige Furore-Ver­lag macht sich uner­müdlich dafür stark, die Musik kom­ponieren­der Frauen aus ihrem Schat­ten­da­sein im Musik­be­trieb zu befreien. Mit der Veröf­fentlichung
von Noten und Büch­ern leis­tet er seit nun fast drei Jahrzehn­ten auf diesem Gebi­et Pio­nier­ar­beit, die bere­its mehrfach mit dem Deutschen Musikedi­tion­spreis „Best Edi­tion“ gewürdigt wurde.
Von der franzö­sis­chen Kom­pon­istin Melanie Bonis, die unter dem Kurz­na­men Mel Bonis an die Öffentlichkeit trat, hat Furore bere­its zahlre­iche Werke pub­liziert und ins­beson­dere eine zehn­bändi­ge Edi­tion ihrer Klavier­musik vorgelegt. Wie so viele andere musikalisch begabte Frauen kon­nte die 1858 geborene Mel Bonis ihre kün­st­lerischen Fähigkeit­en nicht unge­hin­dert ent­fal­ten, son­dern musste die musikalis­chen Aktiv­itäten nach ein­er von den Eltern erzwun­genen Heirat mit dem Beruf als Gat­tin des Indus­triellen Albert Domange und Mut­ter vier­er Kinder teilen. Immer­hin: Phasen­weise kon­nte das musikalis­che Schaf­fen in ihrem Leben in den Vorder­grund treten, vor allem in den Anfangs­jahren des 20. Jahrhun­derts bis hin zum Ersten Weltkrieg.
Die von César Franck geförderte und dann als Mit­stu­dentin von Claude Debussy und Gabriel Pierné bei Ernest Guiraud am Paris­er Con­ser­va­toire aus­ge­bildete Mel Bonis schuf im Jahr 1898 eine Suite en forme de valses, die in mehreren Fas­sun­gen vor­liegt: für Klavier zwei­händig, Klavier vier­händig und für Orch­ester. Die Veröf­fentlichung des Furore-Ver­lags macht nun die Par­ti­tur dieser Orch­ester­fas­sung für Stre­ich­er,
Flöte, Oboe, zwei Klar­inet­ten, Fagott, zwei Hörn­er und Pauken zugänglich (Stim­men­ma­te­r­i­al ist auf Anfrage beim Ver­lag eben­falls erhältlich).
Das bei der Auf­führung etwa eine Vier­tel­stunde dauernde Werk ist mit leichter Hand geschrieben und entsprechend leicht­füßig in der Wirkung. Es erweist sich als typ­isch gefäl­liges und unbeschw­ertes Pro­dukt der Belle Époque. Diese Suite enthält keine Musik der großen lei­den­schaftlichen Gefüh­le, son­dern schlägt mit gewiss­er Noblesse einen gepflegten Kon­ver­sa­tion­ston an. Wenn auch die hohen Stre­ich­er oft führend sind, so beteiligt die Par­ti­tur doch die übri­gen Instru­mente am the­ma­tis­chen Geschehen, was in kurzen Momenten sog­ar für die son­st nur klangfül­lend und -bindend benutzten Hörn­er gilt.
Drei ver­wandte, doch auch je eige­nen Charak­ter entwick­el­nde Sätze weist die Suite auf: Am Anfang ste­ht ein „Bal­la­bile“ im „Mou­ve­ment mod­éré de Valse“. Sein leicht melan­cholis­ches cis-Moll set­zt sich auch noch im fol­gen­den „Inter­lude“ fort, welch­es in eine „con grazia“ anzus­tim­mende „Valse Lente“ in Des-Dur überge­ht. Mit „Scher­zo-Valse“ ist das F-Dur-Finale über­schrieben, das von munteren Stac­cato­mo­tiv­en eröffnet wird und in einen ver­huschen­den Pianis­si­mo-Schluss mün­det.
Ger­hard Dietel