Blanc, Adolphe

Streichquintette Nr. 3, 4, 7

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Es-Dur ES 2046
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 76

In der Quin­tettmusik mit Kon­tra­bass ragen zwei große Werke her­aus: Schu­berts Forel­len­quin­tett und Dvoráks Stre­ichquin­tett op. 77. Dass es darüber hin­aus weit mehr Werke in dieser Beset­zung gibt, ist wenig bekan­nt. Einige hat der Fran­zose Adolphe Blanc (1828–1885) kom­poniert, drei davon hat das Ham­burg­er Fabergé-Quin­tett „aus­ge­graben“ und zum ersten Mal auf CD einge­spielt.
Nur Insid­er wis­sen von Adolphe Blanc. Er war Geiger, Bratschist, Diri­gent und Kom­pon­ist. Dass man seine kaum bekan­nte Musik zuweilen als gehobene Salon­musik abtat, ist ungerecht. Es mag daher kom­men, dass Blanc unzäh­lige Bear­beitun­gen von beliebten Opern­melo­di­en von Rossi­ni und anderen schrieb: Es existieren 39 Bände! Doch seine Kam­mer­musik kann sich hören lassen. Blanc kom­ponierte Stre­ich- und Klavier­trios, Quar­tette, Quin­tette oder ein Septett für Bläs­er, Stre­ich­er und Klavier. Und immer­hin: Blanc wurde 1862 mit dem „Prix Charti­er“ der Académie des Beaux-Arts aus­geze­ich­net. Seinen Stil kann man als klas­sisch oder frühro­man­tisch einord­nen. Wenn man so will, ist Blanc ein Anachro­nist. Die Quin­tette ent­standen in den 1850er Jahren, als Wag­n­er bere­its seinen Lohen­grin geschrieben hat­te und schon an den Tris­tan dachte. Gle­ich das erste Quin­tett dieser CD (Nr. 3 D‑Dur) zeigt, das Adolphe Blancs sein kom­pos­i­torisches Handw­erk meis­ter­haft ver­ste­ht. Er ver­mag ein­prägsame Melo­di­en zu erfind­en, rhyth­mis­che Energie zu erzeu­gen, span­nende kon­tra­punk­tis­che Dialoge zwis­chen den ver­schiede­nen Stim­men anzuzetteln. Sich­er reichen Blancs Quin­tette nicht an Werke von Schu­bert oder Mozart in dieser Beset­zung her­an. Aber alle drei Stre­ichquin­tette dieser CD sind mit viel Rafi­nesse und Charme kom­poniert, sodass man sie sich gern öfter anhört – und das spricht für Qual­ität. Das Andante des Quin­tetts Nr. 7 in E‑Dur zum Beispiel hat Aus­druck­stiefe und drama­tis­chen Gehalt. Und das darauf fol­gende „Scher­zo Taran­telle“ fegt dahin wie Wirbel­wind, man denkt an Werke von Mendelssohn. Das Fabergé-Quin­tett überzeugt nicht nur durch bril­lantes und punk­t­ge­naues Zusam­men­spiel, es hat auch eine musikan­tis­che Lust, die ansteck­end ist. Die Werke scheinen spielerisch leicht zu sein, doch der Schein trügt. Manch vir­tu­ose Pas­sage, manch sim­ple Grundierung auf einem Kon­tra­bass etwa gut zum Klin­gen zu brin­gen, ist anspruchsvoller, als selb­st manche Stre­icherkol­le­gen ver­muten wür­den. Dass das Fabergé- Quin­tett die Quin­tette über­haupt einge­spielt hat, ist seinem Kon­tra­bassis­ten Peter Schmidt zu ver­danken. Er und die anderen Mit­glieder der For­ma­tion spie­len im NDR Sin­fonieorch­ester Ham­burg.
Der bel­gis­che Musikkri­tik­er und Kom­pon­ist François-Joseph Fétis, der eines der ersten biografis­chen Lexi­ka her­aus­gab, schätzte übri­gens seinen Zeitgenossen Adolphe Blanc und attestierte ihm Ern­sthaftigkeit in Zeit­en seichter Musik. Dem Ham­burg­er Fabergé-Quin­tett, das sich nach dem rus­sis­chen Juwe­li­er Fabergé nen­nt, muss man danken, dass es mit diesen Stre­ichquin­tet­ten inter­es­sante musikalis­che „Perlen“ wieder ans Licht gebracht hat.
Elis­a­beth Richter