Mozart, Wolfgang Amadeus / Urs Frauchiger

Streichquartette Nr. 14 G‑Dur KV 387 / Nr. 15 d‑Moll KV 421 / Annäherung an das Streichquartett KV 421

Rubrik: CDs
Verlag/Label: telos TLS 124, 2 CDs, mit Partitur
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 93

Da scheint sich eine Mark­tlücke zu öff­nen: Zu ein­er schö­nen Musikein­spielung wird in Form ein­er „Annäherung“ die Musik gle­ich kom­men­tiert und analysiert. Der Schweiz­er Cel­list, Lehrer und Autor Urs Frauchiger wagt nun solch eine Annäherung an ein Werk Mozarts. Er wählte hierzu das d‑Moll-Stre­ichquar­tett KV 421 aus, das ihn nach seinen eige­nen Worten „nie mehr in Ruhe lieߓ. Es habe für ihn „eine so klare, über­schaubare, durch­hör­bare Ober­fläche und eine unaus­lot­bare Tiefe“.
Nach­dem Frauchiger unzäh­lige Inter­pre­ta­tio­nen ange­hört, ver­glichen, analysiert und darüber oft­mals sich wider­sprechende Auf­sätze und Abhand­lun­gen gele­sen hat­te, ertappte er sich plöt­zlich dabei, dass er die Musik nacherzählte. Auch in der Befürch­tung sich damit zu blamieren und in dem Wis­sen, erzählte Musik sei – frei nach Grill­parz­er – wie eine erzählte Mahlzeit, hat­te Frauchinger im Laufe sein­er Beschäf­ti­gung mit dem Werk das Bedürf­nis, „auch mit Worten in die Musik hineinzusteigen“.
Das Ergeb­nis ist ein liebevoller, wenn auch anstren­gend zu hören­der, aber ken­nt­nis­re­ich­er gesproch­en­er, manch­mal von Musik­pas­sagen unter­legter Text, der jew­eils von den einzel­nen Sätzen des d‑Moll-Quar­tetts unter­brochen wird. Im Book­let ist zum Mitver­fol­gen und Ver­gle­ichen als „Zuck­erl“ sog­ar das ganze Werk in Noten beigegeben.
Gän­zlich ohne Unter­brechung wer­den bei­de Stre­ichquar­tette nochmals auf der zweit­en CD gespielt. Eben­so liebevoll inter­pretiert durch das jugendlich wirk­ende casalQUAR­TETT, das seit nun­mehr über zehn Jahren zusam­men musiziert. Wohlüber­legt, jede Note auf die Gold­waage leg­end, spielt das Ensem­ble (Daria Zap­pa und Rachel R. Späth, Vio­line; Markus und Andreas Fleck, Bratsche bzw. Vio­lon­cel­lo) über­aus homogen, dabei nie sich in den Vorder­grund drän­gend. Kraftvoll, selb­st­be­wusst und dur­chaus auch ein wenig burschikos das G‑Dur-Quar­tett, vor­sichtig, mit inten­siv­er Zurück­hal­tung, zart und über­aus lyrisch im Ton das d‑Moll-Werk.
Wern­er Bodendorff