Antonín Dvořák

Streichquartett Nr. 10 Es-Dur op. 51

Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Bärenreiter
erschienen in: das Orchester 09/2019 , Seite 60

Von den 14 Stre­ichquar­tet­ten Antonín Dvořáks sind bis­lang nur wenige für die neue Gesam­taus­gabe (Band IV/5) ein­gerichtet. Hart­mut Schick, der auch einige der vorherig erschiene­nen Stre­ichquar­tett-Aus­gaben betreute, zog wiederum alle ihm zugänglichen Quellen wie das Auto­graf und die damals bei Sim­rock veröf­fentlichte Erstaus­gabe her­an. Nach der zulet­zt in den 1950er Jahren bei Supraphon pub­lizierten Edi­tion ist nun auch dieses Opus 51 endlich in ein­er prächti­gen und wis­senschaftlichen Urtex­taus­gabe erhältlich.

Ende 1878, im Alter von 37 Jahren, begann Dvořák sein inzwis­chen zehntes Stre­ichquar­tett zu kom­ponieren. Keines aber war bis dahin in Druck gelangt, lediglich das in a-Moll op. 16 wurde öffentlich aufge­führt. Das sollte sich ab dem Es-Dur-Quar­tett ändern: Nach­dem Dvořák durch die Slaw­is­chen Tänze mit einem Male berühmt gewor­den war, regte sich Inter­esse auch für sein Stre­ichquar­tettschaf­fen. Das Werk schrieb er bewusst im „slaw­is­chen“, folk­loris­tis­chen Stil mit ein­er soge­nan­nten „Dum­ka“, weil er damit beim Ver­leger Sim­rock mit einem viel größeren Inter­esse rech­nen durfte.

Her­aus­ge­ber Hart­mut Schick beschreibt im dreis­prachi­gen Vor­wort (deutsch, tschechisch, englisch) außer­dem gut nachvol­lziehbar den Kom­po­si­tion­sprozess mit­tels Briefwech­sel zwis­chen dem Lek­tor Robert Keller und Dvořák bis zur Druck­le­gung. Dabei wurde deut­lich, dass Dvořák seine Par­ti­tur nach dessen Revi­sio­nen über­ar­beit­ete und er nach ein­er pri­vat­en Auf­führung des Quar­tetts bei Joseph Joachim den 3. Satz nicht nur kürzte, son­dern die Romanze noch ein­mal kom­plett neu schrieb. Der Leser erfährt weit­er von der ersten öffentlichen Auf­führung am 10. Novem­ber 1879 in Magde­burg und die nach­fol­gende Rezep­tion des Quar­tetts, welch­es von „durch­schla­gen­dem Erfolg“ gekrönt war.

Die jew­eili­gen Erstver­sio­nen kön­nen nun am Ende der Par­ti­tur in zwei Anhän­gen erst­mals betra­chtet wer­den. So enthält Anhang I 27 Tak­te der ursprünglich Coda-Fas­sung aus dem II. Satz (Dum­ka) ab Takt 289. Der zweite Anhang bet­rifft den nach­fol­gen­den Satz, die Romance. Hier ist die erste Fas­sung des Mit­tel­teils zwis­chen den Tak­ten 19 und 89 abge­druckt, die Stim­men enthal­ten die bei­den Fas­sun­gen indes nicht. Des Weit­eren befind­et sich am Ende ein lei­der nur in Englisch ver­fasster, detail­liert­er „Crit­i­cal Com­men­tary“, in dem der geneigte Leser den span­nen­den Kom­po­si­tion­sprozess mitver­fol­gen kann, wobei auch die Revi­sionsvorschläge von Robert Keller notiert sind. Außer­dem sind die einzel­nen Quellen wie das Auto­graf minu­tiös beschrieben, zudem die gestoch­ene Vor­lage, das Manuskript des Arrange­ments für Klavier zu vier Hän­den, die Erstaus­gabe der Par­ti­tur und der Stim­men von 1879 und nicht zulet­zt der Druck der vier­händi­gen Aus­gabe.

Die vor­liegende Aus­gabe erfüllt, wie auch schon die von Schick zuvor edi­tierten, die üblichen hohen Ansprüche in Über­sichtlichkeit, Ein­teilung der Seit­en mit entsprechen­den Leer­seit­en zum Umblät­tern und Les­barkeit in Gänze.

Wern­er Boden­dorff