Heller, Barbara

Stimmungen

5 Miniaturen für Oboe (Flöte, Altblockflöte) oder andere Blasinstrumente solo, hg. von Julien Singer

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2011
erschienen in: das Orchester 11/2011 , Seite 69

Im besten Wortsinne tra­di­tionelle Spiel­musik hat Bar­bara Heller mit ihren Stim­mungen vorgelegt. Spiel­bar mit jedem Blasin­stru­ment in Sopran­lage (nur bei der Block­flöte bietet sich die Alt­flöte an – so bleibt es unter­halb der Schnee­gren­ze extrem hoher Töne) sind diese fünf Minia­turen mit ein biss­chen Eigenini­tia­tive abwech­slungsre­iche, unter­halt­same kleine Stücke. Tech­nisch im Bere­ich des eher leicht spiel­baren anzusiedeln sollte jed­er Satz musikalisch mit ein paar Frei­heit­en gestal­tet wer­den: „Es ist möglich, einige Tak­te eines Satzes zu spie­len, dann den Noten­text zu ver­lassen, selb­st weit­er zu impro­visieren und schließlich wieder zur Kom­po­si­tion zurück­zukehren“, heißt es im Vor­wort.
Ein biss­chen wie Folk wirkt der erste Satz in sein­er Har­monik. Das soll er auch, und Heller hat ihn leg­er „Qua­si ‚folk­loris­tisch‘“ über­schrieben. Ein paar Tak­twech­sel, das ruhig fließende Tem­po und der Verzicht auf allzu hohe oder tiefe Töne machen ihn zu einem unauf­fäl­li­gen, aber delikat­en Beitrag, der zur Not auch ohne die anderen Sätze beste­hen kön­nte. Eng am Text gespielt sorgt er für eine frische Brise in jedem Schüler­vor­spiel – mit Impro­vi­sa­tio­nen gewürzt und fließend angelegt wirkt er ziem­lich erwach­sen.
Es fol­gt ein Ada­gio mit schlichter Melodik. Die Binde­bö­gen lösen manch­mal ein wenig die üblichen Tak­tschw­er­punk­te auf. Diesem Satz ste­hen ein paar Verzierun­gen gut. Flott geht es im fol­gen­den sehr kurzen Presto im 5/4‑Takt los. Die Phrasen wirken wieder ein­mal schlicht geset­zt, fast sim­pel. Zugle­ich bieten sie eben dadurch viel Freiraum für eigene Ideen. Die „Kleine Bal­lade“ tanzt sich im 6/8‑Takt durch häu­fig punk­tierte Achtel­grup­pen, ein möglich­er Sprung („Vide“) bietet die Verkürzung des Satzes an.
Es fol­gt ein let­zter Satz: „Tänz­erisch“ ist hier die Spielan­weisung, „Danc­ing alone“ heißt die englis­che Ver­sion. Wie auch immer, ob allein oder im fik­tiv­en Ensem­ble, hier bietet die schlicht erscheinende Kom­po­si­tion viel Raum für aller­lei Spiel­ereien. Fast wie in alter Zeit hat der Musik­er, hier mehr als Spiel­mann denn als klas­sis­ch­er Inter­pret gefragt, Frei­heit­en und kann drauf los spie­len.
Dur­chaus möglich erscheint, wenn auch im Titel mit dem Zusatz „Blasin­stru­mente solo“ verneint, das Hinzufü­gen eines Perkus­sion­sin­stru­ments, das den Stück­en noch weitaus mehr Feuer geben kön­nte. Auch erscheint es musikalisch möglich, teil­weise eine zweite Stimme unisono mit­laufen zu lassen oder im Ide­al­fall eigen­ständig zum Noten­text von Bar­bara Heller impro­visieren zu lassen. Die Har­monik hat Heller so angelegt, dass sie irgend­wo zwis­chen Alter und recht Neuer Musik schwebt.
Als Spielan­leitung ver­standen bieten diese fünf Minia­turen eine Menge Freude und viele unter­halt­same Minuten. Ohne eigenes impro­visatorisches Zutun, lediglich akademisch und metronomisch herun­terge­spielt, kön­nten sie allerd­ings recht ein­tönig wirken, denn vir­tu­ose Reize oder melodis­chen Schnickschnack gibt es hier nicht.
Heike Eickhoff