Duddell, Joe

Still Life

for brass quintet, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2014
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 70

Joe Dud­dell, geboren 1972 in Eng­land, ist ein mit­tler­weile mit seinen Werken recht erfol­gre­ich­er Kom­pon­ist inner­halb und außer­halb Eng­lands. Ehrun­gen sind ihm zuteil gewor­den, und bei Schott Music hat er einen
Exk­lu­sivver­trag. Sein Kom­po­si­tion­sstil ist vielfältig. Basierend auf im Wesentlichen „klas­sis­chen“ Ele­menten bewegt er sich auch in anderen Bere­ichen musikalis­ch­er Autoren­schaft.
Das neun­minütige Werk Still Life wurde aus Anlass des 250. Todestags von Johann Sebas­t­ian Bach vom Harp­er Ensem­ble in Lon­don in Auf­trag gegeben und dort in St. Mar­tin in the Fields uraufge­führt. Nach Dud­dells eige­nen Worten ist der Titel angelehnt an die Malerei im All­ge­meinen und bezieht sich gle­ichzeit­ig auf die Musik von Bach. Das wirft die Frage auf, wie etwas Sta­tis­ches, also ein Bild, das per def­i­n­i­tionem keine Hand­lung darstellt, in eine Kun­st­form wie die Musik über­tra­gen wer­den kann, die ihrer­seits nur die Bewe­gung, den Zeitablauf ken­nt.
Um es gle­ich vor­weg zu nehmen: Dud­dell ist das gelun­gen. Beim Lesen der Par­ti­tur lassen sich Ele­mente der Min­i­mal Music erken­nen, die laut Dud­dells kurzen, ein­lei­t­en­den Worten Beziehun­gen zu Bachs Musik haben. Ger­ade in der Min­i­mal Music lässt sich mit Bewe­gung sehr gut Sta­tis­ches darstellen. For­mal erken­nt man einen Wech­sel von mehreren flächi­gen Motiv­grup­pen, die einan­der abwech­seln oder sich auch über­lagern. Das kann man klang­far­blich ver­ste­hen in der Behand­lung der Instru­mente, man kann es aber auch, wenn man sich z.B. ein Blu­men­stil­lleben bildlich vorstellt, dahinge­hend inter­pretieren, dass die Piano-Abschnitte eher stille, ruhige Far­ben darstellen kön­nten, die Forte-Abschnitte eher kräftige, wom­öglich schrille Far­ben.
Der Druck ist wie gewohnt bei Schott gut leser­lich. Der Dichte der Kom­po­si­tion geschuldet sind die Schwierigkeit­en der Trompe­ten und des Horns beim Seit­en­blät­tern; es ste­ht an jedem Seit­e­nende das v.s., weil nur wenig Zeit zum Wen­den zur Ver­fü­gung ste­ht.
Die bläserischen Anforderun­gen sind gemäßigt; es wer­den wed­er beson­dere Spiel­tech­niken gefordert noch gehen die Instru­men­tal­stim­men in extreme Lagen. Ein gutes Blech­bläserquin­tett dürfte seine Freude daran haben, sich dieses Still Life zu erar­beit­en. Es ist ein lohnenswertes Werk.
Peter Hoefs