Spirituals

Werke von Bach bis Joplin

Rubrik: CDs
Verlag/Label: www.armin-rosin.com
erschienen in: das Orchester 02/2006 , Seite 86

Hin­ter dem CD-Titel Spir­i­tu­als des Posaunen­trios Armin Rosin ver­birgt sich nicht etwa eine Samm­lung geistlich­er Gesänge der Afroamerikan­er, wie man annehmen kön­nte, son­dern ein Streifzug durch unter­schiedliche Stile­pochen und Gat­tun­gen. Tra­di­tionell ist die Posaunen­musik durch ihre bib­lis­che Tra­di­tion und ihren feier­lichen Klang an den kirch­lichen Gebrauch gebun­den, dank ihrer tech­nis­chen und klan­glichen Möglichkeit­en ist sie jedoch in sämtlichen Gen­res behei­matet. Neben bekan­nten Spir­i­tu­als wie beispiel­sweise Joshua fit the Bat­tle of Jeri­cho, Go down, Moses und Go, tell it on the moun­tain sind auch Musik des Barocks, Rag­times und ver­schiedene Volks- bzw. Kun­stlied­bear­beitun­gen für drei Posaunen auf der CD zu hören. Die Lit­er­at­u­rauswahl ist vielfältig und bestrebt, die Möglichkeit­en dieser Dreierbe­set­zung klan­glich vorzustellen.
Während sich Blech­bläserquar­tette und ‑quin­tette im 20. Jahrhun­dert zu stan­dar­d­isierten Kam­mer­musik­grup­pen her­aus­ge­bildet haben, wer­den Bläser­trios eher sel­ten gepflegt. Mit dem Ziel, der For­ma­tion Posaunen­trio mehr Gehör zu ver­schaf­fen, haben sich die renom­mierten Posaunis­ten Armin Rosin, Dieter Eck­ert und Berthold Schick zum gemein­samen Musizieren zusam­mengeschlossen. Begleit­et wird das Trio in eini­gen Stück­en – z.B. Paul Josef Wai­wanowskis Sonata la pos-ta – von der jun­gen Organ­istin Clau­dia Fröschle. Wie für die Inter­pre­ta­tion der anspruchsvoll arrang­ierten Spir­i­tu­als wählen die Musik­er auch für die Ari­et­ta von Willem de Fesch, die Sin­fo­ni­ae IX und XIII Bachs, die Sonate Nr. 1 C‑Dur von Daniel Speer und Hän­dels Sara­bande etc. vorzugsweise langsame Tem­pi.
Bei Bruck­n­ers Aequale I, der ersten der zwei Trauer­musiken, die der Kom­pon­ist 1847 während sein­er Tätigkeit als Lehrer und Stift­sor­gan­ist in Linz schrieb, ist die Aus­gestal­tung sehr gelun­gen. Bei anderen Kom­po­si­tio­nen wirken die klan­glichen Umset­zun­gen, auch bezüglich der Dynamik, oft recht ähn­lich. Man wün­scht sich mehr Aus­d­if­feren­zierung der Artiku­la­tion, eine deut­lichere Aus­prä­gung der unter­schiedlichen Stilis­tiken bzw. mehr Kon­trast in der Spiel­weise. Ins­beson­dere Scott Joplins The Enter­tain­er wird sehr ver­hal­ten gespielt – dieser Rag­time ruft förm­lich nach mehr Esprit und Schwung!
Die reizvollen Lied­bear­beitun­gen auf dieser CD stam­men von Armin Rosin selb­st und von Robert Müller, der während sein­er Lehrtätigkeit am Leipziger Kon­ser­va­to­ri­um und mit diversen Unter­richtswerken ganze Gen­er­a­tio­nen von Posaunis­ten prägte. Die Arrange­ments von O Täler weit, o Höhen, Abschied vom Walde, Der Mond ist aufge­gan­gen und Aus der Jugendzeit lassen den sonoren Klang der drei Posaunen beson­ders erstrahlen.
Juliane Bal­ly