Schmelzer, Johann Heinrich

Sonata variatia à 2

für Violine, Viola da gamba & B. c., Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Edition Walhall, Magdeburg
erschienen in: das Orchester 03/2005 , Seite 80

Wurden ab Mitte des vergangenen Jahrhunderts zunächst die Werke des Hochbarock für die häusliche Kammermusik wiederentdeckt und Komponisten wie Bach, Händel, Corelli und auch Vivaldi zu den Favoriten versierter Laienmusiker, so hat sich das Interesse in den zurückliegenden Jahrzehnten doch merklich in Richtung Frühbarock ausgedehnt – beeinflusst sicher von der Alte-Musik-Bewegung und der Suche nach Repertoire für die Blockflöte oder andere wiederentdeckte Instrumente. Johann Heinrich Schmelzer, Georg Muffat oder Heinrich Ignaz Franz Biber und ihre Zeitgenossen gerieten dabei mehr und mehr in den Mittelpunkt des Interesses.
Anders als die Musik von Biber lassen sich die Werke für Violine von Schmelzer auch von Laienmusikern meist problemlos ausführen – wäre da nicht die für die Streichermusik um die Mitte des 17. Jahrhunderts typische Frage der Besetzung der Mittelstimmen. Eine Viola da gamba oder gar zwei Barockviolen sind eben doch selten verfügbar. So wird man die Gambenstimme wohl meist mit einem Violoncello besetzen, was dann wiederum häufig zu einem Ungleichgewicht im Klang aufgrund der Dominanz der Tenorstimme führt. Also heißt es für den Cellisten Zurückhaltung zu üben und eine besonders feinzeichnende Tongebung zu versuchen. Dann kann beispielsweise das instrumentale Wechselspiel in der vorliegenden knappen Sonata variatia von Johann Heinrich Schmelzer gelingen, können Eleganz der Linien und rhythmische Leichtigkeit perfekt verschmelzen.
Etwas einfacher mag die Besetzungsfrage in Johann Fischers Sonate zu lösen sein, wenngleich hier ein perfekter barocker Ensembleklang eben doch nur mit historischen Instrumenten erreichbar sein dürfte. Die beiden Violinen, die beiden Violen (oder wahlweise drei Violinen plus Viola), das Cello und der Generalbass bilden hier ein Stimmgeflecht, das nicht nur wegen des der Komposition zugrunde liegenden Chorals O Haupt voll Blut und Wunden bisweilen beinahe vokale Qualitäten beweisen muss. Der Cantus firmus wandert hier durch ein ernstes, vollstimmiges und edel-dunkles Streichergeflecht, wobei eine Aufführung dieser Komposition wohl dann als besonders gelungen gelten darf, wenn die Timbres der verschiedenen Streicher besonders nahe beieinander liegen und insbesondere die Violinen eine zurückhaltende Tongebung üben.
Die Edition Walhall hat sich mit den beiden vorgelegten Werken einmal mehr um die Erforschung und Verbreitung frühbarocken Repertoires verdient gemacht. Das sauber aufbereitete Aufführungsmaterial ließe wünschen, diesen schön strukturierten und klanglich exquisiten Werken wieder häufiger im Rahmen von Gottesdiensten oder Kirchenmusiken zu begegnen. Der Schwierigkeitsgrad von Fischers und Schmelzers Sonaten dürfte dem in jedem Fall nicht entgegenstehen.
Daniel Knödler