Bach, Carl Philipp Emanuel

Sonata o vero Sinfonia a 2 Violini e Basso

[a minor, H. 582], hg. von Richard Gwilt, partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: RG Editions, Magdeburg 2014
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 68

Mit sein­er Aus­gabe der Sonate a-Moll H. 582 hat sich Her­aus­ge­ber Richard Gwilt einem der neun authen­tis­chen Trios von Carl Philipp Emanuel Bach für die Beset­zung mit zwei Vio­li­nen und Bas­so con­tin­uo, sämtliche zwis­chen 1747 und 1756 ent­standen und im eigen­händi­gem Werkverze­ich­nis des Kom­pon­is­ten aufge­führt, zuge­wandt. Gegenüber anderen Bach’schen Trios mit primär kon­tra­punk­tisch organ­isiertem Ober­stim­men­di­a­log weist dieses dreisätzig (Alle­gro assai – Andan­ti­no – Tem­po di Menuet­ta) konzip­ierte Werk aus dem Jahr 1754 stilis­tis­che Unter­schiede auf, die sich bere­its an der kom­pos­i­torischen Behand­lung der Diskantstim­men able­sen lassen: Während der ersten Stimme ganz klar die führende Rolle zufällt, bleibt die zweite Stimme musikalisch durch­weg unter­ge­ord­net und wird entwed­er in Par­al­lel­be­we­gung zur Ober­stimme geführt oder an die rhyth­mis­che Bewe­gung des Bass­es angepasst. Hinzu kommt – wie übri­gens auch in der Sonate D-Dur H. 505 – die alter­na­tive Beze­ich­nung des Werks als „Sin­fo­nia“, sodass nach Gwilt bere­its der Werk­ti­tel auf einen hier­ar­chisch gedacht­en Ton­satz ver­weist.
Der Her­aus­ge­ber stützt seine Edi­tion auf zwei voneinan­der abwe­ichende Quellen aus Paris (Bib­lio­thèque Nationale) und Berlin (Staats­bib­lio­thek). Dabei hat er sich für das auto­grafe Paris­er Manuskript als Haup­tquelle entsch­ieden und weist in einem kurzen kri­tis­chen Bericht am Ende des Ban­des auf Unter­schiede, Erken­nt­nisse und Kor­rek­turen hin, die sich aus dem Ver­gle­ich bei­der Quellen ergeben.
Der auf dieser Basis erstellte, im Noten­bild etwas gedrängt wirk­ende Urtext, alter­na­tiv in ein­er dreis­tim­mi­gen Spiel­par­ti­tur sowie in drei einzel­nen Stim­men (für die bei­den Vio­li­nen und den Bass) ver­füg­bar, bleibt eher karg und weist kein­er­lei Hinzufü­gun­gen des Her­aus­ge­bers auf. Zwar gibt Gwilt im auss­chließlich englis­chsprachi­gen Vor­wort einige ober­fläch­liche Hin­weise zur Wieder­gabe der Kom­po­si­tion und ver­weist in diesem Zusam­men­hang auch auf die – eigentlich selb­stver­ständliche – Bedeut­samkeit von Bachs Ver­such über die wahre Art das Clavier zu spie­len für die Frage nach der Aus­führung von Verzierun­gen; doch fehlt darüber hin­aus jegliche Anbindung an die Erfordernisse der Prax­is.
Daher scheint sich die Edi­tion primär an eine Aus­führung durch pro­fes­sionelle Ken­ner his­torisch ori­en­tiert­er Auf­führung­sprax­is zu richt­en, was auch daran ersichtlich wird, dass ihr keine geson­derte Ausar­beitung des bez­if­fer­ten Bass­es beige­fügt ist. Immer­hin ermöglicht die dreis­tim­mige Spiel­par­ti­tur gegebe­nen­falls (eine Zusam­men­ziehung von Bassstimme und zweit­er Diskantstimme im Cem­ba­lo bei gle­ichzeit­iger Ein­beziehung der Bez­if­fer­ung voraus­ge­set­zt) auch die Aus­führung des Werks als Sonate für oblig­ates Tas­tenin­stru­ment und Vio­line – eine Vari­ante also, die insofern nicht ganz auszuschließen ist, als für andere Bach’sche Trios tat­säch­lich entsprechende Alter­na­tiv­fas­sun­gen über­liefert sind.
Ste­fan Drees