Schmelzer, Johann Heinrich

Sonata Lanterly

für 2 Violinen, Viola de Gamba und Basso continuo

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Walhall, Magdeburg 2013
erschienen in: das Orchester 10/2014 , Seite 68

Lange war für Geiger Musik aus dem deutschen Sprachraum, die vor Johann Sebas­t­ian Bach kom­poniert wurde, eine Ter­ra incog­ni­ta. Doch mit­tler­weile ist neben Ignaz Franz Biber auch Johann Hein­rich Schmelz­er wieder­ent­deckt wor­den, wie zahlre­iche CD-Ein­spielun­gen zeigen. Diese Musik klingt nur überzeu­gend, wenn sie mit ein­er his­torisch informierten Spiel­prax­is aufge­führt wird. Dazu sind alte Instru­mente oder die Nach­baut­en alter Instru­mente, Barock­bö­gen und vor allem das geeignete Noten­ma­te­r­i­al notwendig.
Der Pas­sauer Kirchen­musik­er Markus Eber­hardt ermöglicht es in sein­er Noten­rei­he „Har­mo­nia Coelestis“, Barock­musik des 17. Jahrhun­derts zu ent­deck­en. Im neuesten Band der Rei­he wird Johann Hein­rich Schmelz­ers Sonata Lanter­ly vorgelegt, die von eini­gen namhaften Barock­ensem­bles in Ein­spielun­gen vor­liegt. Sie wurde über die Melodie eines Vagabun­den­liedes, das damals wohl pop­ulär war, kom­poniert. Ihre Form ist vierteilig. Zunächst wird das The­ma kon­tra­punk­tisch aus­ge­bre­it­et, dann fol­gen der 2. Teil im Rhyth­mus der Gal­liarde, der 3. Teil im Charak­ter ein­er Gigue und der Schlussteil, der zunächst an den kon­tra­punk­tis­chen ersten Teil erin­nert und schließlich zum Ada­gio-Schluss führt. Diese Form bietet den Spiel­ern die Möglichkeit, abwech­slungs- und facetten­re­ich zu artikulieren und zu charak­ter­isieren.
Eber­hardt steuert dem Noten­band ein kluges Vor­wort bei, das über die Quel­len­lage und seine Edi­tion informiert. Er übern­immt das Noten­bild weit­ge­hend orig­i­nal­ge­treu aus der Quelle in der Düben-Samm­lung der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek in Upp­sala. Es ist gut, dass er die orig­i­nale Balkenset­zung belassen hat, die Hin­weise gibt, in welchen Ein­heit­en artikuliert wer­den soll. So gibt es Stellen, in denen acht Sechzehn­tel unter einem Balken erscheinen, und solche, in denen – wie heute üblich – nur vier Sechzehn­tel unter einen Balken geset­zt wer­den, was anzeigt, dass das eine Mal in größeren, das andere Mal in kleineren Ein­heit­en artikuliert wer­den soll. Lei­der set­zt Eber­hardt Tak­t­striche wie heute üblich, obwohl diese in einzel­nen Stim­men fehlen. Im 17. Jahrhun­dert hat sich die heute übliche Tak­trhyth­mik erst her­aus­ge­bildet. Deshalb sollte man das Fehlen von Tak­t­strichen schon ernst nehmen und zumin­d­est dem heuti­gen Spiel­er
bewusst machen, dass der Tak­t­strich noch nicht dieselbe Bedeu­tung wie heute hat­te. Dies kön­nte zum Beispiel durch gepunk­tete Tak­t­striche geschehen.
Doch ins­ge­samt ist diese Edi­tion sehr gelun­gen. Der Noten­text ist über­sichtlich, leicht les- und erfass­bar. Neben der Par­ti­tur wird eine bez­if­ferte Bassstimme beigegeben. Für die Vio­la da Gam­ba wird eine Stimme im Tenor- und eine im Altschlüs­sel mit­geliefert.
Für Ensem­bles mit zwei Vio­li­nen, Vio­la da Gam­ba und B.c. ist dieses Werk lohnend. Es bietet keine großen tech­nis­chen Schwierigkeit­en, ist aber musikalisch sehr inter­es­sant und im Konz­ert wirkungsvoll.
Franzpeter Mess­mer