Lawrence Axelrod

Sonata breve

für Viola und Klavier

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: PAN, Basel/Kassel
erschienen in: das Orchester 2/2026 , Seite 71

Manchmal ist es aufschlussreich, einen quantitativen Vergleich der Häufigkeit bestimmter Instrumentalmusikgattungen anzustellen: Über die letzten 250 Jahre kommt man zwischen Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass – jeweils in Duowerken mit Klavier – in etwa auf das prozentuale Verhältnis 50 : 15 : 30 : 5 – eine Relation, die sich auch bei Fokussierung auf „Sonaten“ nicht wesentlich verändert. So gesehen stößt eine jede Neuerscheinung für Viola und Klavier, wie die hier vorliegende des US-amerikanischen Komponisten Lawrence Axelrod, von vornherein auf ein „ausgleichendes“ Interesse nicht nur der Fachmusiker. Axelrod, Jahrgang 1960, ist als Konzertpianist und Dirigent in den USA, Europa und Australien weit gereist, er lehrt zudem Musiktheorie am Columbia College in Chicago.
Seine etwa zehnminütige Sonata breve zeigt in allen drei Sätzen das Bemühen um originelle rhythmische und klangliche, oft kontrastierende Konstellationen zwischen den beiden gleichwertig behandelten Instrumenten. Der Kopfsatz, „Light and fleeting“, lässt die vagierenden, tremolo-artigen Figuren der Viola immer wieder vom Klavier mit „stopped notes“ unterbrechen – mit der linken Hand „innen“ abgegriffene, per Tastatur mit rechts angeschlagene Saiten. Im Mittelteil setzt die Bratsche ihre chromatische Détaché-Motivik fort, das Klavier kontert mit teils großintervalligen Staccato-Tupfern, die auch den höchsten Diskant ins skurrile Geschehen einbeziehen. Mit immer enger geführten dreistimmig-kanonischen Figuren endet der Satz.
„Drones and Arpeggios“ ist der ruhige zweite Satz überschrieben. Lange erhält die Viola Zeit für rezitativische, raumgreifend-arpeggierende Bewegung bis hinauf zum d”’ – vom Klavier lediglich durch einzelne Akkorde identischer Harmonik gestützt. Im zweiten, semi-aleatorisch angelegten Teil entsteht eine klanglich aparte („drohnen“-hafte?) Kontrast-Mischung aus einem Bratschen-Ostinato „like a tambura“ (e’ – gis’, dazu gezupft ein d’) und raschen Klavierfiguren, die teilweise wieder als „stopped notes“ aufhorchen lassen.
Der dritte, „Vivace“ überschriebene Satz führt die rhythmische Bewegung beider Instrumente weitgehend zusammen – in der maximalen Form eines auch motivischen Unisono, allerdings mit synkopierten Rhythmen und Taktwechseln zwischen 3/4, 7/8, 5/8 etc., die eine intensive Zusammenspielkontrolle verlangen. Im Mittelteil zaubert Axelrod noch einmal besondere Klangeffekte durch Flageoletts und Sul-ponticello-Spiel der Bratsche einerseits, „stopped notes“ und Höchstdiskantspiel des Klaviers andererseits, bevor das Stück im effektvoll raschen Unisono auf dem Ton D ausklingt.
Dank klarer Strukturierung dürfte Axelrods Sonata breve ein aufgeschlossenes Publikum bereits beim ersten Hören ansprechen.
Rainer Klaas

 

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