Paxton, Stephen

Sonata

für Violoncello und Basso continuo C-Dur op. 3/3, hg. von Rainer Mohrs, Partitur und Stimmen

Rubrik: Noten
Verlag/Label: Schott, Mainz 2015
erschienen in: das Orchester 12/2015 , Seite 75

Beglückt stellen wir fest: Der Cel­lo-Boom hält an! Nach wie vor erfreut sich dieses – sor­ry, liebe Rest-Stre­ich­er – viel­seit­ig­ste Instru­ment sein­er Fam­i­lie großer Beliebtheit und Nach­frage. Und natür­lich ist das Reser­voire an Unter­richt­slit­er­atur in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten mit­gewach­sen. Neukom­po­si­tio­nen, Bear­beitun­gen und Anlei­hen aus ehe­dem klas­sik­fer­nen Sparten wie Film-, Pop- und Rock-Musik lassen es in der Cel­loschüler­welt nicht lang­weilig wer­den.
Wie aber ste­ht es um Orig­i­nal­w­erke früher­er Jahrhun­derte? Bei aller Begeis­terung für „Fluch der Karibik“ und Co sollte Cel­loschülern dur­chaus ver­mit­telt wer­den, dass es sich um ein tra­di­tion­sre­ich­es Instru­ment han­delt und Musik ver­gan­gener Zeit­en nicht in Vergessen­heit ger­at­en darf. Nun kann aus nachvol­lziehbaren Grün­den dieser Reper­toire­bere­ich nicht mehr mitwach­sen, und insofern sind wir dankbar für jede Neu­veröf­fentlichung bish­er unbekan­nter oder wenig zugänglich­er Werke. Ist der Bestand an Barock­sonat­en noch recht reich­haltig, so wird es in der Zeit der Vork­las­sik ziem­lich „dünn“: die Sonate des Bücke­burg­er Bach-Sohnes Johann Christoph Friedrich… War’s das schon?
Die vor­liegende Aus­gabe lenkt den Blick nach Eng­land. Stephen Pax­ton (1734–1787) wirk­te als Cel­list und Kom­pon­ist in Lon­don, seit 1757 als Mit­glied der Soci­ety of Musi­cians. Später gehörte er dem „Noblemen’s and Gentlemen’s Catch Club“ an und kom­ponierte für diese Gesellschaft Kanons und mehrstim­mige Lieder. Und natür­lich wid­mete er sich seinem Instru­ment, etwa mit ein­er Folge von Easy Lessons sowie Sonaten­zyklen wie den Six Easy Solos op. 3 (1778), denen die hier pub­lizierte Sonate ent­nom­men ist. Ele­gante, eingängige Melodik prägt ihre drei Sätze: ein zweit­eiliges Alle­gro, das einen aus­drucksvollen Moll-Teil umschließt, ein Largo über die irische Volksmelodie „Gra­machree“ und das abschließende, zweit­eilige Menuett. Der untere Lagen­bere­ich (1. bis 4. Lage) wird nicht über­schrit­ten, einige wenige Dop­pel­griffe und Akko­rde soll­ten eben­falls keine Stolper­steine darstellen.
Die Edi­tion fol­gt dem Erst­druck, Her­aus­ge­ber Rain­er Mohrs hat nur wenige dynamis­che Ergänzun­gen vorgenom­men. Seine Gen­er­al­bas­saus­set­zung enthält einige „flo­rale“ Ele­mente in der recht­en Hand des Klavier­parts, die dem galanten Charak­ter des Werks völ­lig angemessen sind. Ein Punkt bleibt lei­der ungek­lärt: Im 1. Satz find­en sich einige Tak­te (etwa beim Wiedere­in­tritt der Grund­tonart C-Dur), in denen – nicht anders als in Mozarts frühen Vio­lin­sonat­en – das melodieführende Klavier vom Stre­ichin­stru­ment begleit­et wird: Was lesen wir an diesen Stellen? Pax­tons orig­i­nalen Klavier­satz oder Aus­set­zun­gen des Her­aus­ge­bers?
Pax­tons Sonate ist eine hüb­sche Petitesse von über­schaubarem kom­pos­i­torischen Niveau. Als gute Gründe, die für ihre Pub­lika­tion sprechen, seien fest­ge­hal­ten: die Reper­toirek­nap­pheit speziell in dieser Epoche und die gute Eig­nung des Werks für den Unter­richt.
Ger­hard Anders