Händel, Georg Friedrich

Solomon

Rubrik: CDs
Verlag/Label: K&K Verlagsanstalt KuK 73
erschienen in: das Orchester 01/2006 , Seite 80

Es sind zumeist die kleinen Labels, die heutzu­tage inter­es­sante oder zumin­d­est engagierte Neupro­duk­tio­nen her­vor­brin­gen. Die K&K Ver­langsanstalt, ein in ver­schiede­nen Medi­en tätiger Ver­lag in Baden-Würt­tem­berg, gibt auch mehrere CD-Rei­hen her­aus. Eine davon, die „Edi­tion Kloster Maulbronn“, ist den Konz­erten gewid­met, die seit 1968 regelmäßig in der mit­te­lal­ter­lichen Kloster­an­lage in der Nähe von Pforzheim abge­hal­ten wer­den.
Der kün­st­lerische Leit­er der Maulbron­ner Konz­erte, Jür­gen Bud­day, hat in den ver­gan­genen Jahren einen Schw­er­punkt auf die großen englis­chen Ora­to­rien Georg Friedrich Hän­dels gelegt, mit denen der Kom­pon­ist nach sein­er let­zten ital­ienis­chen Oper Dedamia von 1741 eine neue Lauf­bahn begann. Es enstanden auch heute noch so beliebte Werke wie Jeph­ta, Saul, Bels­haz­zar oder Semele, den Wel­ter­folg Mes­si­ah nicht zu vergessen. Wegen ihren aufwändi­gen Beset­zun­gen, in denen der Chor immer eine zen­trale Rolle spielt, haben es diese Ora­to­rien wed­er im Konz­ert­be­trieb noch auf der CD leicht. Immer­hin aber haben, als die Auf­nah­mezeit­en noch gold­en waren, Niko­laus Harnon­court und John Eliot Gar­diner wichtige und maßstab­set­zende Pro­duk­tio­nen aufnehmen und veröf­fentlichen kön­nen.
In Maulbronn kann man das machen, denn als Basis ste­ht mit dem Maulbron­ner Kam­mer­chor ein engagiertes semi-pro­fes­sionelles Ensem­ble zur Ver­fü­gung, das gute Musik macht und wenig Kosten verur­sacht. Als Orch­ester sind ver­schiedene Ensem­bles auf Orig­i­nalin­stru­menten dabei, darunter Musi­ca Flo­rea aus Prag, die Han­nover­sche Hofkapelle und ein eigenes Ensem­ble, das Barock­o­rch­ester Maulbronn. Was auf­fällt, ist die Beset­zung der Solopar­tien mit eini­gen Sän­gerin­nen und Sängern, die als Stars der Barock-Szene bekan­nt sind, etwa der Kon­tratenor Michael Chance, die Sopranistin Nan­cy Argen­ta oder der Bari­ton David Thomas.
Die neuesten Veröf­fentlichun­gen sind Bels­haz­zar und Solomon. Während das erste ein drama­tisch angelegtes Stück ist, das von der Nieder­lage des Baby­lonierkönigs Bel­sazar gegen den Pers­er Cyrus erzählt – in ein­er span­nen­den Rez­i­ta­tiv-Szene sagt der Prophet Daniel Bel­sazar das Ende des Reich­es voraus –, ist Solomon dage­gen von kon­tem­pla­tiver­er Natur und beschäftigt die Chöre vornehm­lich, um Gott zu preisen – ein eher fes­tlich-erbaulich­es Stück.
Die Maulbron­ner leis­ten gute, solide Arbeit. Sehr angenehm fällt auf, dass Jür­gen Bud­day nicht der oft gehörten Nei­gung erliegt, Hän­del mit möglichst schnellen Tem­pi auf Span­nung zu brin­gen. Er geht die Musik ruhig an und arbeit­et die Energie durch sorgfältige Artiku­la­tion her­aus. Die Musik­er aus Han­nover – das Orch­ester spielt in bei­den Ora­to­rien – sind ihm dabei zuver­läs­sige Begleit­er. Den­noch haben die Ein­spielun­gen nicht den Biss und auch nicht die Autorität jen­er von Harnon­court und Gar­diner – es han­delt sich eher um sehr ambi­tion­ierte Lieb­haber-Auf­führun­gen, für die man sich bekan­nte Solis­ten geholt hat. Auch diese sind nicht mehr ganz in der Blüte ihrer Kun­st – wie etwa Michael Chance, bei dem man etliche Into­na­tion­s­män­gel in Kauf nehmen muss. Sehr schön Nan­cy Argen­ta in Solomon, gle­ich­falls ihre Kol­le­gin Miri­am Allan in Bels­haz­zar.
Las­z­lo Molnar