So gut wie Bach

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Blechpresse Musikverlag BP 9007
erschienen in: das Orchester 09/2010 , Seite 71

Bei Bach-Adap­tio­nen für Blech­bläs­er ist naturgemäß Vor­sicht geboten, denn viele Ein­spielun­gen zeigen, dass dabei oft nicht Bach im Mit­telpunkt ste­ht, son­dern der beliebte Blech­bläs­er-Dreikampf „höher, schneller, lauter“. Lei­der machen auch die berühmten Auf­nah­men der Edel-For­ma­tio­nen „Ger­man Brass“ oder „Cana­di­an Brass“ da keine Aus­nahme. Ob Schu­mann, Bern­stein, Albi­noni, Mozart oder eben Bach: Der Sound bleibt gle­ich und ist manch­mal erstaunlich frei von Ein­füh­lungsver­mö­gen für den Per­son­al­stil eines Kom­pon­is­ten.
Wer jet­zt laut auf­schreien möchte vor Zorn über diese zugegeben etwas pauschale Ein­schätzung, mag bedenken, dass sie auch dazu dient, die jüngst erschienene CD des Ensem­bles „Elbe­blech“ ins rechte, näm­lich in ein sehr gutes Licht zu rück­en. Sym­pa­thisch ist schon der Titel: So gut wie Bach spielt ein­er­seits auf das Konzept der Auf­nahme an, Werke des großen Meis­ters in his­torischen und neueren Bear­beitun­gen zu präsen­tieren – von Krebs bis Reger und Vival­di bis Blum­berg. Ander­er­seits kön­nte So gut wie Bach auch als augen­zwinkern­des Eingeständ­nis ver­standen wer­den: Wir wis­sen, dass die Orig­i­nale unerr­e­ich­bar sind, aber wir tun trotz­dem alles, um ihnen gerecht zu wer­den.
Und das ist aller Ehren wert, denn „Elbe­blech“ kann strahlen und protzen eben­so wie schnörkel­los und delikat spie­len. Die Bal­ance bei den fünf Blech­bläsern, die sich aus ver­schiede­nen deutschen Des­ti­na­tio­nen zusam­menge­fun­den haben, ist ein­fach phänom­e­nal – so gut, dass „Elbe­blech“ oft wie eine Zehn­er-For­ma­tion klingt. Im Mit­telpunkt ste­ht eben das Ensem­ble, weshalb im Pro­grammheft die Einzel­bi­ografien (und auch jed­er Hin­weis zum Ensem­ble selb­st) ein­fach fehlen. Deshalb seien sie hier nachgeliefert: Thomas Meise (Trompete) ist seit 2006 Mit­glied der Biele­felder Phil­har­moniker; Christof Skupin (Trompete) ist Mit­glied des Radio-Sin­fonieorch­esters Stuttgart des SWR; Michael Win­ter war 3. und stel­lvertre­tender 1. Hor­nist der Lan­deskapelle Eise­nach; Mar­tin Räp­ple ist seit 2005 stel­lvertre­tender Solo­posaunist im Osnabrück­er Sym­phonieorch­ester; Ste­fan Kaun­dinya (Tuba), der auch Bear­beit­er der meis­ten Stücke ist, hat­te Prak­tikan­ten- oder Zeitverträge bei den Essen­er Phil­har­monikern, den Düs­sel­dor­fer Sym­phonikern und der Deutschen Radio Phil­har­monie
Saar­brück­en Kaiser­slautern.
Respekt gebührt „Elbe­blech“ auch für den Mut, nicht nur „dankbare“ Werke aus­ge­sucht und bear­beit­et zu haben, son­dern eben­so dur­chaus sper­rige poly­fone Sätze. Die wer­den dann – wie Regers und Schu­manns Fugen op. 46/2 bzw. op. 60/5 – so traumhaft sich­er und leicht geboten, wie das son­st nur Organ­is­ten schaf­fen. Zwei mod­erne Bach-Arrange­ments run­den die Zusam­men­stel­lung ab, wobei sowohl die Inven­tions on Bach von Oliv­er Groe­newald (geb. 1967) als auch Thorsten Blum­bergs Bossa nova über das Agnus Dei aus der h-Moll-Messe zwar nicht über­mäßig aufre­gend sind – auf jeden Fall aber den Ernst deut­lich machen, mit dem „Elbe­blech“ ans Werk gehen.
Johannes Kil­lyen