Sir Colin Davis

Werke von Elgar, Mendelssohn Bartholdy, Sibelius, Schubert, Brahms und Berlioz, 6 CDs

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Profil/Edition Günter Hänssler PH 13032
erschienen in: das Orchester 10/2013 , Seite 73

Wenige Wochen nach dem Tod des britis­chen Diri­gen­ten Sir Col­in Davis, der am 14. April (an Hän­dels Todestag) 2013 im Alter von 85 Jahren starb, hat das Label Profil/Günter Hänssler in sein­er ver­di­en­stvollen „Edi­tion Staatskapelle Dres­den“ ein Gebinde mit sechs CDs vorgelegt, das Auf­nah­men des Mae­stro am Pult der Säch­sis­chen Staatskapelle Dres­den bringt, deren Ehrendiri­gent er seit 1991 war. Mit Aus­nahme der 1988 und 2003 ent­stande­nen Sibelius-Auf­nah­men wur­den alle Stücke in den 1990er Jahren aufgeze­ich­net.
Mit Aus­nahme von Mozart, der in Col­in Davis’ Wirken ja eine zen­trale Rolle ein­nimmt und von dessen Musik in der Gestalt der bei­den großen Ser­e­naden KV 250 und KV 320 schon lange Dres­d­ner Auf­nah­men vor­liegen, bringt diese nun erschienene Samm­lung Werke der für den Diri­gen­ten beson­ders wichti­gen Kom­pon­is­ten. Vor allem Berlioz, für dessen „Renais­sance“ Col­in Davis mit seinem Zyk­lus Anfang der 1970er Jahre Entschei­den­des geleis­tet hat, ist gewichtig mit dem Requiem und zwei Ouvertüren vertreten. Hinzu kommt mit Edward Elgars erster Sin­fonie ein Werk der englis­chen Heimat sowie mit der zweit­en Sin­fonie und den Tondich­tun­gen En Saga und Luon­no­tar von Jean Sibelius ein in Eng­land mehr als auf dem Kon­ti­nent gepflegtes Reper­toire, das Col­in Davis schon früh – als Sibelius zumin­d­est hierzu­lande eher spo­radisch aufge­führt wurde – in den Focus sein­er Arbeit am Pult gestellt hat. Roman­tis­che Sin­fonik von Schu­bert, Mendelssohn Bartholdy und Brahms ergänzt das hier vorgestellte Pro­gramm.
Die Wieder­gaben sind durch­weg von hoher Qual­ität und beweisen sowohl den Aus­nah­merang des Orch­esters, das unter Col­in Davis seinen sprich­wörtlichen Klangza­uber voll ent­fal­tet, als auch die große Gestal­tungskun­st des Diri­gen­ten, der gewiss zu den großen Pult­meis­tern im 20. und frühen 21. Jahrhun­dert gehörte. Äußer­lich spek­takulär, extrav­a­gant oder effek­thascherisch waren seine Wieder­gaben nie. Davis war ein nobler Gen­tle­man am Pult, der unei­t­el, dafür mit viel Über­legung und Akku­ratesse zu Werke ging. Das zeigen auch diese Dres­d­ner Auf­nah­men. Sie sind in der äußeren Anlage schlüs­sig und klar und sie lassen das Orch­ester in sein­er ganzen war­men Fülle auf­spie­len. Bei genauem Hin­hören aber steck­en sie voller aus­drucksvoller Details und sin­n­fäl­liger Nuan­cen, die beweisen, wie genau und ern­sthaft der Diri­gent den Noten­text zu klin­gen­dem Leben erweckt. Bei Berlioz bringt Davis die unzäh­li­gen Über­raschun­gen in der Musik des küh­nen Fran­zosen mit Charme und Ele­ganz zur Wirkung, macht sie deut­lich als Moment gesteigerten musikalis­chen Aus­drucks, der hier ganz im Vorder­grund ste­ht. Auch bei der englis­chen, finnis­chen und deutschen Sin­fonik gehen Form­sinn und Über­sicht eine ide­ale Har­monie mit Fein­heit im Detail und Sprachkraft ein.
Eine lohnende Samm­lung als würdi­ge Ehrung eines bedeu­ten­den Musik­ers.
Karl Georg Berg