Gustav Mahler
Sinfonie Nr. 2
Emilia Cundari (Sopran), Maureen Forrester (Alt), Westminster Choir, New York Philharmonic Orchestra, Ltg. Bruno Walter
Einfach nur in hohem Maße exzellent ist die vorliegende Aufnahme von Gustav Mahlers 2. Sinfonie unter der Leitung von Bruno Walter. Die Auferstehungs-Sinfonie, wie dieses Werk auch genannt wird, ist eine der bedeutendsten Schöpfungen Mahlers. Er war damals ein vielgefragter Dirigent, der sich deshalb viel auf Reisen befand. Aus diesem Grund benötigte er für die Fertigstellung seiner 2. Sinfonie mehrere Jahre. Er arbeitete an ihr in den Jahren 1888 bis 1894. Die Uraufführung fand am 13. Dezember 1895 in Berlin unter der Leitung des Komponisten statt und rief bei Publikum und Kritik einen zwiespältigen Eindruck hervor. Mit Mahlers vielfältigen Neuerungen wusste man damals nicht viel anzufangen. Diese Tonsprache war noch völlig ungewohnt. Mahler ließ einige seiner Wunderhorn-Lieder in die Komposition mit einfließen, wie zum Beispiel Des Antonius von Padua Fischpredigt, das den 3. Satz der Symphonie bildet, sowie das von einer Altistin gesungene Urlicht, aus dem der vierte Satz besteht. Außerdem zitiert Mahler in seiner Auferstehungs-Sinfonie die E-Dur-Sinfonie seines Studienkollegen Hans Rott.
Entstanden ist diese famose Einspielung in den Jahren 1957 und 1958 in der Carnegie Hall, New York, mithin in einer Zeit, als Pathos noch nicht verpönt war. Und Pathos spielt in der Herangehensweise von Bruno Walter an Mahlers vielschichtige Partitur eine ganz große Rolle. Ungemein raffiniert und spannungsgeladen lotet der Dirigent Mahlers herrliche Musik aus. Bruno Walter hat den für Mahler erforderlichen ganz großen Atem und ein ausgezeichnetes Gespür für spezifische Couleurs. Farbenreichtum und dynamische Vielfältigkeit werden in seiner Auffassung von der Musik ganz großgeschrieben. Sehr beeindruckend sind die dramatischen Passagen, in denen Walter das bestens disponierte New York Philharmonic Orchestra zu einer imposanten, markanten und leidenschaftlichen Tongebung animiert. Auf der anderen Seite gelingen ihm immer wieder aber auch sehr leise, zart und weich genommene Passagen. Das „Urlicht“ des vierten Satzes atmet viel Wärme und Emotionalität. Und im dritten Satz betont der Dirigent das der „Fischpredigt des Antonius“ immanente groteske Element aufs Beste. Durchweg drängt er mit den Musiker:innen in recht schnellen Tempi immer stärker vorwärts. Der Fluss der Musik wird dabei an keiner Stelle unterbrochen und Details werden von Walter gekonnt in den großen musikalischen Zusammenhang gestellt. Die Sängerinnen Emilia Cundari und Maureen Forrester singen sehr einfühlsam, und auch der Westminster Choir macht seine Sache gut. Insgesamt haben wir es hier mit einer sehr zu empfehlenden Aufnahme zu tun.
Ludwig Steinbach


