Josef Haydn

Sinfonie in B Hob I:68

hg. von Wolfgang Stockmeier in Zusammenarbeit mit Sonja Gerlach, Urtext der Joseph Haydn Gesamtausgabe, Partitur

Rubrik: Rezension
Verlag/Label: Bärenreiter, Kassel
erschienen in: das Orchester 1/2026 , Seite 70

Der Bärenreiter Verlag gibt seit geraumer Zeit Sinfonien von Joseph Haydn mit Partitur und Stimmensätzen heraus. Die Ausgaben folgen dem Urtext von Band 8 der Haydn-Gesamtausgabe, also dem Mammutprojekt mit 112 Bänden, das 1958 begann und inzwischen abgeschlossen ist. Wie man dem lesenswerten Vorwort von Andreas Friesenhagen entnehmen kann, gibt es von der nun vorliegenden Sinfonie Hob I:68 B-Dur keine autografe Partitur, die Gesamtausgabe fußt also auf Abschriften der Stimmen. Die Sinfonie muss um 1774/75 entstanden sein, wie Friesenhagen aufgrund der Besetzung mit gutem Recht vermuten kann. Besetzt ist die Sinfonie ohne Flöten mit zwei Oboen, zwei Hörnern und zwei Fagotten, die – neu in dieser Phase – nicht mehr immer nur die Bass-Stimme verdoppeln. Bei den Streichern sind Cello- und Kontrabass-Stimmen noch nicht getrennt. Dass kein Generalbassinstrument mitwirken soll, steht auch im Vorwort, weil Haydn bei Aufführungen seiner Sinfonien in dieser Zeit mit der Hofkapelle in Esterházy vom Konzertmeisterpult aus geleitet hat. „Auf die experimentellen ‚Sturm- und Drang-Sinfonien‘ der Jahre von circa 1765–1772 folgten fortan Werke in einem leichteren, publikumswirksameren Stil. Zu ihnen gehört als eines der ersten die Sinfonie Hob. I:68“, schreibt Andreas Friesenhagen. Die Sinfonie ist viersätzig mit einem Menuett an zweiter Stelle. Wenn man keine Wiederholungen auslässt, dauert eine Aufführung eine knappe halbe Stunde.
Die Herkunft der aufführungspraktischen Hinweise zu Artikulation und Ornamenten lässt sich nur im Kritischen Bericht, der als Teil der Gesamtausgabe zu erhalten ist, im Detail nachverfolgen. Haydns Sinfonie B-Dur Nr. 68 ist nun in dieser editorisch sehr ansprechenden Version als Einzeltitel zu kaufen und allen anderen Ausgaben vorzuziehen, da sich in anderen älteren Ausgaben nicht nur Fehler fortschreiben, sondern auch weniger aufführungspraktische Notizen zu lesen sind. Der Band der Gesamtausgabe würde 223,– € für drei Sinfonien kosten, was für eine in Leinen gebundene Partitursammlung nicht viel teurer ist als die nun vorliegende Einzelausgabe mit Klammerheftung. Aber auch bei der neuen Bärenreiter-Edition ist das Schriftbild gestochen scharf, vergleichbar groß und mit einem Preis von knapp 51,– Euro nur für die Partitur gut für Aufführungen geeignet. Für Konzertaufführungen ist diese Edition bestens zu empfehlen.
Gernot Wojnarowicz

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