Shadows

Baroque Music by Vivaldi, Blavet, Dieupart and Veracini

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Solo Musica SM 143
erschienen in: das Orchester 04/2011 , Seite 71

Fre­unde gediegen­er Kam­mer­musik barock­er Prove­nienz sel­ten betreten­er Pfade kom­men hier sicher­lich auf ihre Kosten. Auf der CD des Münch­n­er Labels Solo Musi­ca mit dem wegen der durchge­hend aus­gewählten Moll­w­erke etwas düster anmu­ten­den Titel Shad­ows nahm der derzeit als Solo-Oboist im Sym­phonieorch­ester des Bay­erischen Rund­funks in München tätige Ramón Orte­ga Quero sel­ten einge­spielte Musik auf. Ihm zur Seite ste­hen die junge Vio­lon­cel­listin Luise Buch­berg­er, die im Cham­ber Orches­tra of Europe spielt, sowie der eben­falls in München an der Jesuit­en- und Hofkirche als Organ­ist wirk­ende Peter Kofler am Cem­ba­lo.
Entschei­dend war für den Obois­t­en die „Liebe zur Barock­musik“, eine Auswahl sein­er „Lieblingsstücke aus dem franzö­sis­chen und ital­ienis­chen Reper­toire“ zusam­men­zustellen, wobei er sich aus­drück­lich „für den Ein­satz mod­ern­er Instru­mente für Alte Musik stark machen“ will, weil er glaubt, „dass Alte Musik auch auf mod­er­nen Instru­menten gespielt wun­der­schön klin­gen kann“. Ob er’s schon ein­mal ver­suchte, mit einem zeit­genös­sis­chen, klap­pen­losen Instru­ment zu spie­len und den zart-frag­ilen und fein-näsel­nden Klang in sich einzusaugen?
Um keine Langeweile aufkom­men zu lassen, wech­seln sich die sechs Werke nach Land bzw. nach den vier ver­schiede­nen Kom­pon­is­ten ab: mal mit franzö­sis­chem Gus­to (Char­les Dieu­part, Michel Blavet), mal mit ital­ienis­ch­er Spiel­freude (Anto­nio Vival­di, France­so Maria Veraci­ni), wobei es sich – kurios genug – nicht immer um orig­i­nale Oboen­musik han­delt, obgle­ich diese Epoche hierin eigentlich keinen Man­gel hat. Lediglich Vivald­is Sonate in c-Moll RV 53 ist für das Dop­pel­rohrblat­tin­stru­ment kom­poniert wor­den, während dessen Sonata in g-Moll RV 28 eben­so ursprünglich für die Vio­line gedacht war wie Veraci­nis Sonata Nona in g-Moll von 1716, welche alter­na­tiv mit ein­er Flöte beset­zt wer­den kann. Außer­dem stam­men die bei­den Sonat­en Sec­on­da in e-Moll und Terza in h-Moll des im Jahr 1700 gebore­nen Meis­ter­flötis­ten Michel Blavet aus dem Troisième Livre de Sonates op. 3 für Flöte und Bas­so con­tin­u­uo, worüber im etwas schwammig for­mulierten Book­let nichts ste­ht.
Über­haupt sind darin die Infor­ma­tio­nen recht sparsam, zumal der geneigte Hör­er von den etwas unbekan­nteren Kom­pon­is­ten nicht ein­mal die Lebens­dat­en erfährt. Ärg­er­lich ist die fehlende Num­merierung in der Über­sicht der immer­hin 25 Einzel­sätze. Wenig­stens blick­en Cel­listin und Oboist roman­tisch-ver­traut an einem ruhi­gen See mit hohem Lust­barkeits­fak­tor durchs saftige Grün.
Ramón Orte­ga Quero musiziert dessen ungeachtet mit den bei­den Kün­stlern nicht schlecht, er besitzt einen dur­chaus char­man­ten und liebreizen­den Ton, intoniert in allen Lagen sehr sich­er, manch­es ist auch vir­tu­os und bemerkenswert, das jedoch im Gesamtkon­text unterge­ht. Die rel­a­tiv unbekan­nten Stücke wirken abwech­slungsarm aneinan­derg­erei­ht, sind ohne allzu großen Reiz und span­nungsre­iche Lei­den­schaft: her­vor­ra­gend als Barock-Back­ground oder zur traum­seli­gen Entspan­nung auf einem kanapeefre­undlichen Rück­zugs­ge­bi­et geeignet.
Wern­er Boden­dorff