Werke von Ferruccio Busoni, Giuseppe Martucci, Alfredo Casella und anderen

Serenata Italiana

Raphaela Gromes (Violoncello), Julian Riem (Klavier)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Sony Classical
erschienen in: das Orchester 03/2018 , Seite 72

Eine Hom­mage an ihren Sehn­sucht­sort Ital­ien war das Anliegen von Raphaela Gromes, als sie mit ihrem musikalis­chen Part­ner Julian Riem ihr Debü­tal­bum bei Sony kon­zipierte. Die bei­den kön­nen bere­its auf eine Rei­he gemein­samer Pro­duk­tio­nen zurück­blick­en. Unter dem Mot­to „Ser­e­na­ta Ital­iana“ stellen sie jet­zt kam­mer­musikalis­che Werke ital­ienis­ch­er Kom­pon­is­ten aus dem 19. und 20. Jahrhun­dert vor. Keines davon hat es bish­er ins „Stan­dard­reper­toire“ geschafft – nicht zulet­zt vielle­icht deshalb, weil seit den Bel­can­to-Opern die anderen Gat­tun­gen in Ital­ien einen ver­gle­ich­sweise schw­eren Stand hat­ten. Umso schön­er also, dass sich Gromes und Riem ihrer angenom­men haben – und das mit solch­er Hingabe.
Bere­its im ersten Stück, der Ser­e­na­ta op. 34 von Fer­ruc­cio Busoni, hört man bei­de in der kantablen Melodik schwel­gen, die alle auf dem Album ver­sam­melten Kom­po­si­tio­nen ausze­ich­net. Beina­he noch etwas ein­dringlich­er und lei­den­schaftlich­er klingt die darauf­fol­gende Cel­losonate in fis-Moll op. 52 von Giuseppe Mar­tuc­ci. Let­zter­er set­zte sich zu Lebzeit­en sehr für die Instru­men­tal­musik ein, weshalb Gromes zufolge seine Cel­losonate im Zen­trum der Auf­nahme ste­ht. Die Cel­listin kann darin ihren samte­nen Ton beson­ders in den tief­er­en Lagen des Trios und des Inter­mez­zos zur Gel­tung brin­gen; der Scher­zo-Satz allerd­ings sprüht vor Lebendigkeit und wird von den Kün­stlern auch entsprechend tem­pera­mentvoll musiziert.
Gle­ich­es gilt für die Taran­tel­la op. 54 von Alfre­do Casel­la: Wie viele sein­er Werke knüpft auch dieses im Jahr 1934 kom­ponierte, sehr vir­tu­ose Stück an die Volksmusik Südi­tal­iens an. Und so, wie Gromes und Riem es vor­tra­gen, ani­miert es tat­säch­lich zum Mit­tanzen – auch ohne Spin­nen­biss.
Ganz ähn­lich schwungvoll im Charak­ter ist der Figaro von Mario Castel­n­uo­vo-Tedesco, eine Konz­ert­para­phrase nach Rossi­nis Bar­bi­er von Sevil­la. Diese wird beson­ders zum Schluss hin ger­adezu aber­witzig schnell. Dass Gromes unter anderem 2016 den Preis des Deutschen Musik­wet­tbe­werbs in der Kat­e­gorie Cel­lo solo gewon­nen hat, kommt eben nicht von unge­fähr.
Wiederum stärk­er gefühls­be­tont geht es in der Roman­za zu, die in Kom­bi­na­tion mit ein­er Humoresque das Opus 16 des Dvorák-Schülers Leone Sini­gaglia bildet. Beson­ders in dieser Humoresque fällt auf, wie her­vor­ra­gend die bei­den Inter­pre­ten aufeinan­der einge­spielt sind, gestal­ten sie doch jedes einzelne Ritar­dan­do abso­lut syn­chron. Ein Gegengewicht zu den vie­len Lebenslust ver­mit­tel­nden Kom­po­si­tio­nen stellt das Ani­ma­to con pas­sione von Matilde Capuis dar, das diese im Jahr 1944 schuf und aus dem der Schmerz und die Angst der Kriegs­jahre her­auszuk­lin­gen scheinen. Auch hier überzeu­gen die Musik­er durch ihren aus­drucksvollen Vor­trag.
Alles in allem also ein schönes Album, das Lust auf mehr macht. Und erfreulicher­weise ist dieses „Mehr“ bere­its in Arbeit: ein CD-Pro­jekt mit dem WDR Funkhau­sor­ch­ester unter dem Mot­to „Hom­mage à Rossi­ni“, das auch einige Wel­ter­stein­spielun­gen ver­spricht.
Julia Har­tel