Arnecke, Jörn

Schwerelos. Schwebend – Schwankend – Schwindend

Drei Stücke für Harfe solo

Rubrik: Noten
Verlag/Label: edition gravis, Bad Schwalbach 2005
erschienen in: das Orchester 02/2007 , Seite 88

Jörn Arnecke, 1973 geboren, studierte Kom­po­si­tion und Musik­the­o­rie bei Volkhardt Preuß und Peter Michael Hamel an der Hochschule für Musik und The­ater Ham­burg sowie bei Gérard Grisey am Paris­er Con­ser­va­toire Nation­al Supérieur. Seit Okto­ber 2001 ist er Teilzeit­pro­fes­sor für Musik­the­o­rie an der Hch­schule für Musik und The­ater Ham­burg und hat einen Lehrauf­trag an der Uni­ver­sität Ham­burg (Musik­wis­senschaftlich­es Insti­tut) inne.
Arnecke ist vielfach­er Preisträger inter­na­tionaler Kom­po­si­tion­swet­tbe­werbe. Vor allem kann er auf zahlre­iche Aufträge bedeu­ten­der Opern­häuser stolz sein. Sein kom­pos­i­torisches Schaf­fen umfasst nahezu alle Gen­res. Für Harfe solo schrieb er 2000 und 2005 das Stück Schw­ere­los, beste­hend aus drei Sätzen: „Schwebend“, „Schwank­end“ und „Schwindend“. Eva Röthke spielte im Jahr 2000 erst­ma­lig den Satz „Schwebend“ und von Isabel Moretón Achsel wurde „Schwank­end“ auf dem 9. Welthar­fenkongress in Dublin 2005 uraufge­führt. „Schwindend“ kom­ponierte Jörn Arnecke eben­falls 2005. In seinen Anmerkun­gen schreibt er: „Die Sätze Schwebend und Schwank­end kön­nen auch einzeln gespielt wer­den, der Satz Schwindend darf nur im zyk­lis­chen Zusam­men­hang aufge­führt wer­den.“ Das ist logisch, denn den let­zten Satz, Spiel­d­auer zwei Minuten, empfinde ich als einen Abge­sang des gesamten Werkes.
Für alle drei Sätze wer­den zwei vorgeschriebene Sait­en um einen Viertel­ton tiefer ges­timmt. Darüber hin­aus wer­den Büroklam­mern, Stimm­schlüs­sel, ein Papier­streifen und eine dicke Gum­mis­chnur benötigt. Let­ztere soll in dem vorgegebe­nen tiefen Sait­en­bere­ich tondämpfend wirken, der Papier­streifen dient als perkus­siv­er Klangcharak­ter in den oberen Lagen. Hinge­gen finde ich den Gebrauch von Büroklam­mern frag­würdig. Der „Xylo­ef­fekt“ (mit den Fin­gern am Res­o­nanzkas­ten Töne abdämpfen) hat die gle­iche, zudem auch pro­fes­sionellere Wirkung.
Jörn Arnecke schrieb mit Schw­ere­los ein ins­ge­samt gutes und ern­stes Stück, doch sollte der Kom­pon­ist über­legen, den zweit­en Satz zu kürzen, weil ein­er­seits Tem­po und Rhyth­mus über acht Minuten für den Spiel­er nicht zu real­isieren sind, ander­er­seits der Satz durch seine Länge auf den Hör­er zu ein­tönig wirkt.
Erschienen ist dieses Werk bei edi­tion gravis. Der Noten­druck ist viel zu klein – sehr unver­ständlich, da auf­grund des durchge­hen­den Textes keine Rück­sicht auf Wen­destellen genom­men wer­den brauchte.
Mar­i­on Hofmann