Möller, Eberhard (Hg.)

Schumann Briefedition

Serie I, Familienbriefwechsel, Bd. 2: Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie Wieck; Bd. 3: Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit der Familie Bargiel

Rubrik: Bücher
Verlag/Label: Dohr, Köln 2011
erschienen in: das Orchester 12/2011 , Seite 70

Mehr als hun­dert Jahre hat es gedauert, bis die sys­tem­a­tis­che Neu­veröf­fentlichung der Kor­re­spon­denz Robert und Clara Schu­manns ange­gan­gen wurde. Das große, auf mehr als 45 Bände angelegte Pro­jekt, das bis 2017 abgeschlossen sein soll, wird neue Maßstäbe für die Ken­nt­nis nicht nur der Fam­i­lie Schu­mann, son­dern auch der deutschen Musikgeschichte im 19. Jahrhun­dert set­zen.
Die bei­den nun vor­liegen­den Bände enthal­ten die Kor­re­spon­denz Clara und Robert Schu­manns mit Claras Ver­wandtschaft, den Fam­i­lien Wieck und Bargiel. Nicht über­raschend konzen­tri­ert sich die Kor­re­spon­denz vor allem auf den Vater Friedrich Wieck und dessen zweite Frau Clemen­tine bzw. die Mut­ter Mar­i­anne Bargiel und den Halb­brud­er Wolde­mar sowie dessen Fam­i­lie. Die an Inhalt äußerst reichen Bände erhellen nicht nur Clara Wiecks famil­iäres Umfeld, son­dern spiegeln gle­icher­maßen einen großen Teil des kul­turellen Lebens des 19. Jahrhun­derts. Von einem umfan­gre­ichen Brief der ger­ade achtjähri­gen Clara 1827 an ihre Mut­ter bis hin zu einem Schreiben der 76-Jähri­gen von 1894 zum Tod der Halb­schwest­er Cäcilie reicht das Spek­trum, eben­so find­en sich sämtliche erhal­te­nen Gegen­briefe; die Briefe sind jew­eils sortiert nach den Kor­re­spon­den­z­part­nern. Auch die nicht erhal­te­nen Briefe wer­den aufge­lis­tet, sofern aus ander­er Kor­re­spon­denz erschließbar.
Ger­ade die Kom­men­tierung der Briefe ist (trotz weniger Fehler bei Querver­weisun­gen), eben­so wie die Ein­leitun­gen in die ver­schiede­nen Abteilun­gen und die vor­bildlichen Reg­is­ter (in denen sich zu jed­er Per­son Kurz­in­for­ma­tio­nen find­en), essen­zielle Ergänzung des Briefko­r­pus selb­st. Und so unprak­tisch für den Ungeübten die Kürzel in den Kom­mentaren sein mögen, so sind sie doch der Knap­pheit hal­ber nachvol­lziehbar. Beson­ders hil­fre­ich ist es, dass die Erläuterun­gen zu den Post­sachen diesen jew­eils unmit­tel­bar fol­gen. Edi­torische Erläuterun­gen (Wech­sel von Schreibern inner­halb der Post­sachen etc.) und Kom­mentare zu Per­so­n­en, Namen oder Dat­en wer­den getren­nt darge­boten, und es mag diskus­sions­fähig sein, ob Durch­stre­ichun­gen unbe­d­ingt durch Spitzk­lam­mern > darge­boten wer­den müssen und nicht durch schlichte Durch­stre­ichun­gen – doch sind solche edi­torischen Entschei­dun­gen (eben­so wie jene der Mit­teilung der Seit­en­wech­sel inner­halb jedes Briefes) sich­er mit Bedacht mit Blick auf den zu behan­del­nden Bestand der 45 Bände getrof­fen wor­den. Allerd­ings beein­trächtigt die Entschei­dung für hohe wis­senschaftliche Akku­ratesse gele­gentlich die Les­barkeit.
Den­noch wird die Briefaus­gabe für lange Zeit muster­haft und ein würdi­ger Part­ner neben der Veröf­fentlichung der Haushalts- und Tage­büch­er der Schu­manns sein.
Jür­gen Schaar­wächter