Werke von Gabriel Fauré, Gabriel Pierné, Gustav Holst und anderen

Sax and Pipes — Reflections

Dieter Kraus (Saxofon), Andreas Gräsle (Orgel)

Rubrik: CDs
Verlag/Label: Double Density CD LC 32837
erschienen in: das Orchester 04/2016 , Seite 75

Sax­o­fon und Orgel sind längst eine gängige Kom­bi­na­tion für Auf­führun­gen tran­skri­biert­er Werke von Johann Sebas­t­ian Bach über Edvard Grieg und Joseph Rhein­berg­er bis Har­ald Genzmer. Auf der vor­liegen­den CD indes hören wir Dieter Kraus und Andreas Gräsle als Duo in dieser Beset­zung unter anderem mit Stück­en aus Film-Sound­tracks und englis­ch­er oder franzö­sis­ch­er Pro­gram­m­musik.
Dieter Kraus, in München aus­ge­bilde­ter klas­sis­ch­er Sax­o­fon­ist, und der im baden-würt­tem­ber­gis­chen Ditzin­gen als Bezirk­skan­tor wirk­ende Organ­ist Andreas Gräsle bieten seit Jahren in Konz­erten Alter­na­tiv­en zum Gängi­gen mit einem weit­en Hor­i­zont, wie ihn bei­de aus der Prax­is ken­nen: Kraus hat als Solist und als Gast – etwa für die Sax­o­fon­parts in Rav­els Bolero oder Massenets Oper Werther – inter­na­tion­al mit vie­len Orch­estern gear­beit­et, nicht zulet­zt bei zeit­genös­sis­ch­er Musik. Gräsle ist neben sein­er Organ­is­ten­tätigkeit auch Diri­gent, leit­et Chöre, studiert Musi­cals ein und wirkt als Dozent für Par­ti­tur­spiel an der Stuttgarter Musikhochschule.
Am Anfang der CD ste­ht die lyrische „Aria“ aus Moun­tain Roads von David Maslan­ka, einem Amerikan­er, der auch ein Sax­o­fonkonz­ert geschrieben hat. Sein Lands­mann John Williams, nicht nur als Filmkom­pon­ist, son­dern auch mit konz­er­tan­ten Werken bekan­nt, liefert mit „Clos­ing In“ aus dem Sound­track zu Escapades eine raf­finiert angelegte Episode: Sehr wirkungsvoll wech­seln sich Ein­sätze von Organo pleno zu kurzen Sax­o­fon­mo­tiv­en mit Pausen ab. Diese Inter­ak­tio­nen wer­den verdichtet und zur Steigerung geführt. Kraus bringt neben per­fek­ter Phrasierung einen wun­der­bar klaren Ton auf Tenor-, Alt- und Sopransax­o­fon mit – je nach Anforderung der einzel­nen Werke. Gräsle spielt die ursprünglichen Orch­ester­parts so sich­er und far­ben­re­ich, dass jede Auf­nahme wirkt, als seien die Stücke genau für dieses Duo kom­poniert wor­den.
Gabriel Fau­rés berühmte Pavane und Vocalise umrah­men – gle­ich­sam als franzö­sisch-roman­tis­che Intro und Coda – die Trois pièces op. 29 von Gabriel Pierné (1863–1934). Das Prélude trägt Gräsle allein vor, wohl zur Würdi­gung des Umstands, dass Pierné von den Kom­pon­is­ten dieses Reper­toires der einzige orig­inäre Organ­ist war. Als ein­er der Höhep­unk­te erweist sich „Jupiter“ aus der spätro­man­tis­chen Orch­ester­suite Die Plan­eten des Englän­ders Gus­tav Holst. Wie es sich für die Darstel­lung des nach dem römis­chen Haupt­gott benan­nten größten Plan­eten des Son­nen­sys­tems gehört, ist diese Musik auch beson­ders opu­lent, kon­trastre­ich und kraftvoll.
Es ist klug, dass Dieter Kraus und Andreas Gräsle bei diesen Auf­nah­men ganz auf Jazz-Fär­bun­gen und Choral-Aura verzicht­en, eben jene Musik­stile, die uns meist bei der Nen­nung der Instru­mente in den Sinn kom­men. So entste­ht ein musikalis­ch­er Zyk­lus von ganz eigen­er Prä­gung.
Gün­ter Buh­les