Salonhorn

Werke von Leone Sinigaglia, Ignaz Moscheles, Franz Joseph Strauss, Camille Saint-Saens u. a.

Rubrik: CDs
Verlag/Label: ZUK Records 327
erschienen in: das Orchester 04/2006 , Seite 94

Wie sich die soziokul­turellen Rah­menbe­din­gun­gen für Musik vom 18. zum 19. Jahrhun­dert verän­derten, das wird auch an der Gebrauch­slit­er­atur für Wald­horn ersichtlich: In früher­er Zeit ent­standen in erster Lin­ie Hornkonz­erte, die von den Orch­estern der zahllosen mit­teleu­ropäis­chen Fürsten­höfe und ihren Hor­nisten (damals waren sie natür­lich nur mit Naturhörn­ern aus­ges­tat­tet) aufge­führt wur­den. Im 19. Jahrhun­dert dann, als mit den Adelshöfen auch die Hofkapellen ver­schwan­den, ver­langte das gebildete Bürg­er­tum nach Musik, die auch im heimis­chen Salon aufge­führt wer­den kon­nte: Werke für Horn und Klavier, nun oft mit dem Ven­til­horn zu spie­len.
Solche Werke haben Zbig­niew Zuk, Solo­hor­nist beim Städtis­chen Orch­ester in Bre­mer­haven, und sein Sohn, der Pianist Piotr Zuk, auf ein­er CD vorgelegt, die beze­ich­nen­der­weise den Titel Salon­horn trägt. Schade, dass nicht ein­mal die ganz fun­da­men­tal­en Hin­ter­gründe dazu im Pro­grammheft nachzule­sen sind – eben­so wenig wie Angaben zu den Kom­po­si­tio­nen. Lediglich Biografien der Kom­pon­is­ten enthält das Book­let – Kom­pon­is­ten, die keineswegs durchge­hend und schon gar nicht als Ver­fass­er von Horn­lit­er­atur bekan­nt sind: Wer ken­nt schon das Andante e Polac­ca op. posth. des Klaviervir­tu­osen Carl Czerny oder das Feuil­let d’Album de Rossi­ni op. 138 seines Zeitgenossen Ignaz Moscheles?
Wer ken­nt die her­rliche (zweite) Klavier­ro­manze op. 67 von Camille Saint-Saëns, wer den ital­ienis­chen Kom­pon­is­ten Leone Sini­gaglia (1868–1944), wer den in Belzig bei Wit­ten­berg gebore­nen Carl Got­tlieb Reißiger (1789–1859)? Vertreten sind auch der in Riga wirk­ende Nico­lai von Wilm (1834–1911) und schließlich zwei Mal Franz Strauss (1822–1905), der verehrte Vater von Richard Strauss und Solo­hor­nist der Münch­n­er Hofkapelle.
Die Auf­nahme von Vater und Sohn Z•uk hat also eini­gen Reper­toirew­ert, vor allem jedoch für Hör­er, denen Horn­musik aus dem 19. Jahrhun­dert weniger ver­traut ist. Denn mit Auf­nah­men von Horn­le­gen­den wie Peter Damm oder Her­mann Bau­mann zu konkur­ri­eren, das ist Zbig­niew ?Zuk nun doch nicht gegeben. Dabei ist der gebür­tige Pole zweifel­los ein guter Hor­nist: Sein Ton ist in der oberen und unteren Mit­tel­lage samtwe­ich, er hat einen ordentlichen Ton­um­fang (was man nicht von allen Solo­hor­nisten behaupten kann), eine saubere Fin­gertech­nik. Er spielt empfind­sam und phrasiert klug, etwa in Strauss’ The­ma & Vari­a­tio­nen, die eigentlich für Horn und Orch­ester kom­poniert wur­den.
Störend sind dage­gen fortwährende Into­na­tion­ss­chwankun­gen (Töne wer­den immer wieder nachge­drückt) und ein in der Höhe oft enger Klang. Die Aus­ge­wogen­heit also fehlt dieser zweifel­los inter­es­san­ten Auf­nahme, deren Book­let zwar optisch schön aufgemacht, aber wenig infor­ma­tiv ist.
Johannes Kil­lyen