Richard Strauss
Salome
Malin Byström, Katarina Dalayman (Sopran), Gerhard Siegel (Tenor), Johan Reuter (Bassbariton), Bergen Philharmonic Orchestra, Ltg. Edward Gardner
Beim Label Chandos ist eine Neueinspielung von Richard Strauss’ Meisteroper Salome erschienen. Um das Fazit vorwegzunehmen: Hierbei handelt es sich um eine beachtliche Angelegenheit. Bis auf einige kleine Abstriche ist die musikalische Ausbeute dieser CD beachtlich. Der Aufnahme zugrunde liegt eine konzertante Aufführung aus dem Jahr 2022 vom Edinburgh International Festival. Am Pult steht Edward Gardner, der Chefdirigent des Bergen Philharmonic Orchestra.
Man merkt schnell, dass Salome ein ganz großes Anliegen des Dirigenten ist. Er dirigiert sehr rasant und in schnellen Tempi, wobei er den Orchesterapparat manchmal etwas zu stark aufdreht. Da gehen nicht nur einmal Einzelheiten und Details in den gewaltigen Orchesterwogen gnadenlos unter. Die Transparenz lässt zu wünschen übrig. Und bei Stellen, in denen das ganze Orchester zusammenspielt, sind die Bläser oft zu dominant. Die Violinen werden zeitweilig in den Hintergrund gedrängt. Andererseits schenkt der Dirigent den Soloinstrumenten viel Aufmerksamkeit. Zudem weist sein sehr fulminantes Dirigat, mit dem man im Großen und Ganzen dennoch durchaus zufrieden sein kann, einen hohen Ausdrucksgehalt und große Spannungsbögen auf.
Auf insgesamt hohem Niveau bewegen sich die gesanglichen Leistungen. Malin Byström ist eine recht selbstbewusste Salome. Sie entspricht ihrer schwierigen Rolle mit dunkel timbriertem, gut sitzendem und höhensicherem Sopran gut. Indes hat sie hier und da nicht ausreichend Luft, um eine lange Phrase auf einem Atem durchzusingen, muss zwischendurch auch mal atmen, was die Gesangslinie unterbricht. Mit sauber fokussiertem, geradlinigem und über lange Bögen verfügendem Heldenbariton singt Johan Reuter einen achtungsgebietenden Jochanaan. Gut gefällt auch Gerhard Siegel in der Partie des Herodes, die er ausgesprochen vielschichtig anlegt. Der rege Wechsel von schönen, feingesponnenen Linien und markanter Diktion lässt seine Leistung ausgesprochen abwechslungsreich erscheinen. Indes nimmt er es an einigen wenigen Stellen um des Ausdrucks willen mit der richtigen Intonation nicht so genau. Aber das nur am Rande.
Katarina Dalayman ist eine feurig intonierende Herodias, die die Spitzentöne ihrer Rolle sicher erreicht. Beachtliches lyrisches Tenormaterial bringt Bror Magnus Todenes für den Narraboth mit. Ein tiefgründig singender Page der Herodias ist Hanna Hipp. Die Nebenrollen bewegen sich fast durchweg ebenfalls auf achtbarem Niveau. Nur in das Judenquintett mischen sich leider einige dünne, überhaupt nicht im Körper verankerte Stimmen.
Ludwig Steinbach


